Das Zimmer der Wunder von Julien Sandrel

Veröffentlicht: 25. Oktober 2019 von Juliane

Das Zimmer der Wunder
Julien Sandrel
Claudia Marquardt
Coming of Age
Peguin Verlag
August 2019
Taschenbuch
283
La Chambre des Merveilles
… den Verlag!

Thelmas Leben verändert sich innerhalb eines Wimpernschlags. Ihr Sohn Louis erleidet einen schweren Autounfall und liegt im Koma. Die alleinerziehenden Karrierefrau krempelt ihr Leben um, kündigt ihren Job und verbringt ihre Zeit bei ihrem Sohn. In seinen Sachen findet sie ein Buch. Dort hat er all die Dinge aufgelistet, die er in seinem Leben erleben möchte. Um seinen Lebenswillen zu beschwören, erledigt die Mutter die Aktionen von der Liste und ihr Leben wandelte sich erneut.

Meine Meinung:

Hach. Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Ich hätte zu Beginn nicht gedacht, dass das Buch so viel mit mir macht und mich so berühren würde. Das Cover ist eher unscheinbar und auch der Plot klingt nach einem der vielen traurigen Filme, die ich schon oft gesehen habe. Dass unter dem Klappentext die “ELLE” zitiert wurde und sagte “Ein Feel-Good-Roman voller Emotionen” irritierte mich etwas. Feel Good bei diesem schrecklichen Thema? Doch ich stimme zu. Dieses Buch zieht einen nicht runter, es betrübt nicht. Es ist SO SEHR lebensbejahend. Es strahlt. Es wärmt. Es gibt Lebensfreude.

Thelma ist eine so wunderbare Person, die ich in mein Herz schloss. Sie ist die typisch gestresste, hektische, nie nicht arbeitende Karrierefrau, die keine Sekunde in ihrem Leben Zeit hat, mal inne zu halten und über ihr Leben nachzudenken. Sie erzieht ihren Sohn allein und meistert ihr Leben. Dabei ist sie nicht unsympathisch. Es ist wie es ist. Und dann geschieht schon sehr schnell zu Beginn der Geschichte der schreckliche Unfall und ich erwartete eine Sinnflut an Tränen und Trauer. Doch das blieb aus. Der Autor Julien Sandrel beschreibt zwar die Trauer und Ohnmacht von Thelma, aber es wird nie so intensiv, dass ich mitgerissen wurde. Das empfand ich als sehr positiv. Denn gerade in solch Situationen kann man schnell als Autor auf die Tränendrüse drücken.

Aber schon da merkte ich: Darauf will der Autor nicht hinaus. Es geht nicht um Louis oder den Unfall. Es geht um das Leben. Um Thelmas Leben, aber hauptsächlich um das Leben allgemein. Sie findet die Bucket Liste von ihrem 12-jährigen Sohn und das ist der Anfang von einer so schönen Reise. Vorallem liebte ich es, wie realistisch diese Liste war. Nach Tokio reisen, ins Pokémon Center gehen und eine seltene Karte kaufen. Karaoke singen. In ein Taxi springen und rufen “Verfolgen Sie den Wagen dort”. Oder auch der attraktiven Lehrerin an die Brust zu fassen. Es ist so herrlich! Und am besten ist, dass Thelma die Punkte abarbeitet. Mal ist es lustig, mal ist es rührend.

Am meisten gefiel mir die Reise an sich. Wie Thelma wieder Kontakt zu sich findet. Aber auch zu ihrer Mutter und zu anderen Personen (die ich nicht erwähne, weil das sehr spoilern würde). Hier werden so viele Dinge erzählt und schleichend ändert sich Thelma als Person und ihr Leben. Louis ist dabei immer präsent. Denn immer wieder gibt es einen kleinen Einschub, in dem er erzählt. Der bekommt Dinge mit in seinem Koma, er kann sich nicht bewegen, aber er bekommt mit, was seine Mutter tut. Und das war dann wirklich rührend. Wie das Buch endet erzähle ich nicht, aber es ist auch fast egal. Denn der Verlauf ist relevant.

Auch als Leser geht man mit Thelma auf die Reise. Man hinterfragt sich und seine eigene Bucket Liste. Was will ich vom Leben? Was würde ich tun, wenn ich alles machen könnte? Und mit wem würde ich meine Zeit verbringen? (Und warum tue ich es nicht?). Hach, das Buch ist wirklich besonders und ich kann so gut verstehen, warum es in vielen Ländern einen so großen Erfolg hatte. Ich las das Buch so gern und freue mich auch sehr, dass die Geschichte von Thelma bald verfilmt werden soll.


Fazit:

“Das Zimmer der Wunder” ist ein ganz besonderes Herzensbuch! So unscheinbar es von außen wirkt, so intensiv ist es von innen. Thelma rührte mich. Ich liebte ihre Geschichte. Nicht nur wegen ihr, sondern auch deshalb, weil es nicht auf der Trauer verweilt, sondern weil der Grundtonus sehr lebensbejahend ist und so viel Hoffnung schenkt. Ich ging gemeinsam mit Thelma die Reise. Ich lachte über die Punkte von Louis Bucket Liste (immerhin ist er 12) und noch mehr, als Thelma sie dennoch erledigte. Es ist eine Geschichte, die einen das leben lehrt, zum Nachdenken anregt und oft ein Lächeln auf die Lippen legt. Es geht um Vergebung und Demut. Und um das Wichtigste: Das eigenen Leben zu leben. Absolut lesenswert!


Vielen Dank…

… an den Penguin Verlag für meine Rezensionsexemplar!


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1 Kommentar

  • Yvonne 27. Oktober 2019 at 16:53

    Liebe Juliane,
    deine Rezis sind einfach so fies! Schon wieder stellst du ein Buch vor, dass ich jetzt auch gerne lesen will 😀 Nicht nur das Thema klingt gut, auch die Umsetzung und in dem Sinne passt das dann das Cover auch gut mit diesem strahlenden Geld. Ich bin auf alle Fälle gespannt und setze es auf meine Leseliste 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Yvonne

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