Der Freund der Toten von Jess Kidd (abgebrochen)

Veröffentlicht: 3. Oktober 2020 von Juliane

Der Freund der Toten
Jess Kidd
Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
Krimi
Dumont
September 2018
Taschenbuch
384
Himself

Der charmante Gelegenheitsdieb und Hippie Mahony glaubte immer, seine Mutter habe ihn aus Desinteresse 1950 in einem Waisenhaus in Dublin abgegeben. Sechsundzwanzig Jahre später erhält er einen Brief, der ein ganz anderes, ein brutales Licht auf die Geschichte seiner Mutter wirft. Mahony reist daraufhin in seinen Geburtsort, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Sein geradezu unheimlich vertrautes Gesicht beunruhigt die Bewohner von Anfang an. Mahony schürt Aufregung bei den Frauen, Neugierde bei den Männern und Misstrauen bei den Frommen. (Beschreibung vom Verlag

Meine Meinung:

“Der Freund der Toten” lag lange ungelesen in meinem Regal. Kaufgrund war das wunderschöne Cover, aber auch der zweite Blick hatte mich überzeugt, denn der Klappentext versprach einen mysteriösen Kriminalfall und ein irisches, uriges Dorf. Genau mein Ding! Dennoch hab ich es lange nicht gelesen, dabei kamen von Autorin Jess Kidd noch weitere Bücher auf den Markt, die mich alle interessierten. Nun war es also so weit und ich begann, “Der Freund der Toten” zu lesen. Gleich vorweg: Ich habe das Buch nach rund 150 Seiten abgebrochen.

Der Beginn des Romans war ziemlich brutal, aber gleichzeitig gut. Er spielt 20 Jahre vor der Haupthandlung und zeigt eine sehr gewalttätige Szene. Für mich setzte dieser Prolog einen Maßstab für das Buch fest. Spannend, brutal, geheimnisvoll. Kapitel 1 handelt 20 Jahre später und wir erleben Mahony als Protagonist und Erzähler. Er als Person ist sehr… speziell.. ich konnte ihn bis zum Schluss (ca. Seite 150 für mich) nicht einschätzen. Er war für mich nicht greifbar. Seine Art in dem fremden Dort anzukommen, war sehr irritierend und nicht authentisch. Dann zeigt er mit einem Mal eine übersinnliche Seite an ich und ich war vollkommen aus dem Konzept.

Ich lese sehr gern Fantasy Romane und mag esoterische / magische / übersinnliche Personen sehr. Doch in diesem Roman wirkte es so Fehl am Platz. Mahony – und das ist kein Geheimnis oder Spoiler – kann Tote sehen. Deshalb weiß er, dass seine Mutter nicht tot ist (weil er würde sie sehen), gleichzeitig will er aber herausfinden, was passiert ist und ob sie nicht doch gestorben ist. Sein Umgang mit seiner Fähigkeit ist sehr skurril. Denn er erwähnt es nebenbei, aber wie er dazu steht nicht. Diese übersinnliche Note passt meiner Meinung nach gar nicht zu dem Roman.

Auch die “altes, verschrobenes, irisches Dorf” Atmosphäre vermisste ich sehr. Die Autorin schaffte es nicht, ein Bild in meinem Kopf zu schaffen. Es werden einzelne Häuser und Gebäude erwähnt, aber für mich wirkten sie nicht eine Einheit eines Dorfes, sondern wie “mitten im Nirgendwo”. Ich vermisste die Dorf-Atmosphäre, aber auch den Krimi. Die Suche nach Wahrheit von Mahony war für mich nicht gut beschrieben. Ich fühlte seine Sehnsucht nach der Aufklärung nicht.

Mich ließ die Geschichte kalt. Die Figuren, Mahony und einzelne Dorfbewohner, wurden für mich nicht zu Menschen, von denen ich mehr wissen wollte. Sie nervten mich teilweise durch ihre einfach zu seltsame (un-greifbare) Art. Der Schreibstil war leider auch nicht nach meinem Geschmack. Die Autorin malte ein so dunkles, tristes Bild. Es fehlten Schattierungen und Leben. Teilweise gab es so plumpe Beschreibungen, dass ich fast mit den Augen rollte. Und letztlich war der ausschlaggebende Punkt, warum ich mich entschied, dass Buch nach 150 Seiten abzubrechen: Ich wurde nicht unterhalten, die Figuren stießen mich eher ab und die Aufklärung des Verschwindens der Frau war mir nicht wichtig genug. Sehr schade!

Fazit:

Leider gefiel mir der Roman “Der Freund der Toten” gar nicht. Weder Schreibstil, noch Figuren oder der Schauplatz konnten mich überzeugen. Meine durch den Klappentext gesteckten Erwartungen wurden auf ganzer Linie enttäuscht – weshalb ich das Buch letztlich nach rund 150 Seiten abgebrochen habe. Schade! Ich hätte gern einen spannenden, irischen Krimi gehabt, doch bekommen habe ich eine platte, triste und umauthentische (übersinnlich?! warum??) Geschichte, bei der mir der Ausgang völlig egal war.

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