Die Architektin von New York von Petra Hucke

Veröffentlicht: 22. Juli 2021 von Juliane

Die Architektin von New York
Bedeutende Frauen, die die Welt verändern #3
Petra Hucke
Historischer Roman
Piper Verlag
Juli 2021
Taschenbuch
400
…den Verlag!

New York, 1865. Die frisch verheiratete Emily Warren Roebling gerät in Panik, als sie und ihr Mann mit der Fähre im vereisten East River stecken bleiben: Es wäre nicht der erste folgenschwere Fährunfall. Doch die Passagiere kommen mit dem Schrecken davon. Wie gut, dass die Stadt endlich den Bau einer Hängebrücke genehmigt hat. Emily ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sie diejenige sein wird, die diese kolossale Aufgabe zu Ende bringen muss. Denn ihr Mann, der Chefingenieur der Brooklyn Bridge, wird schwer krank. Sie übernimmt gegen erbitterte Widerstände die Führung der enormen und gefährlichen Baustelle. Sie will ihrem geliebten Mann zeigen, dass sie an ihren gemeinsamen Traum glaubt. Und der Welt beweisen, dass eine Frau ein Weltwunder schaffen kann.

Meine Meinung:

Ich liebe es, dass es aktuell einen regelrechten Hype gibt mit Romanen über reale Frauen, die geschichtlich bedeutend waren. Emily Warren Roebling kannte ich bisher nicht (weder ihre Rolle in der Geschichte, noch ihren Namen generell). Ebenso hatte ich mir nie darüber Gedanken gemacht, wie die Brooklyn Bridge entstanden ist (oder wann) und dass dort eine Frau beteiligt gewesen sein könnte. “Die Architektin von New York” ist in der Reihe “Bedeutende Frauen, die die Welt verändern” erschienen. Emily Warren Roebling reiht sich nach Maria Montessori und Anna Freud (Tochter von Sigmund Freud) in die Buchreihe des Piper Verlags ein. Es ist auch der erste Roman, den ich von der Autorin Petra Hucke gelesen habe. Interessanterweise hat die Autorin einen Podcast (“Frauenleben”) über inspirierende Frauen – eine Folge widmet sie sogar Emily Warren Roebling (sehr empfehlenswert!).

Dieser Roman umreißt die Geschichte von Emily Warren Roebling ab Beginn ihrer Heirat mit Wash Roebling bis hin zur Beendigung der Brooklyn Bridge. Entsprechend wird ihr “privates” Leben samt ihrer Sorgen um Ehe, Kinder, etc. umrissen, aber auch der Bau der Brooklyn Bridge ist im Fokus. Der Bau dieser mächtigen Brücke ist das Lebenswerk ihres Mannes – und vermutlich auch ihres. Im Nachwort erwähnt die Autorin, dass es nicht umfassend Informationen über Emilys Rolle in der Entstehung der Brücke gibt – entsprechend ist einiges in dem Buch fiktiv. UND ICH FINDE ES GRANDIOS! Es ist alles sehr logisch und fühlt sich natürlich an. Emilys Rolle ist nicht die der “großen Retterin”, sondern als vernünftige Frau, die mit Köpfchen bei der Sache ist und sich einschaltet, wenn es nötig ist. Sie nimmt ab einem gewissen Punkt der Geschichte die Zügel in die Hand, ohne dass sie übertrieben oder unauthentisch wirkt.

Schleichend beginnt der Prozess des Brückenbaus und als Leser*in ist man mittendrin dabei. Ich war bisher überhaupt nicht am Bau von Brücken interessiert. Und mit einem Schlag suchte ich nach Fotos der Brücke und Brücken-Bauplänen auf Google. Ich sah mir YouTube Videos an und las mir auf Wikipedia die Hintergründe von Senkkästen durch. Man lernt nicht nur viel über das Leben Ende des 19. Jahrhunderts in den USA (und teilweise Deutschland, da Wash Roebling Deutscher ist), sondern vor allem viel über Statik und die wichtigen Bestandteile einer Brücke. Die Brooklyn Bridge werde ich nie mehr ansehen können, ohne zu bestaunen, welch menschliches Wunderwerk dahinter steckt (und wieviel Leid). Es ist einfach faszinierend und ich bin Petra Hucke so dankbar, dass sie diesen so leicht lesbaren und spannenden Roman geschrieben hat.

Denn langweilig wurde es nie. Es gibt keine Skandale oder große Plottwists (die Geschichte wurde ja nun schon geschrieben), aber dennoch war ich total gefesselt und richtig investiert in diesen Roman. Ich fühlte mich mit Emily verbunden, mochte ihre Gedankengänge und ihre Emotionen. Wash war für mich wie ein Geist und nie richtig greifbar. Seine “Wasser-Sucht” machte ihn noch verwunderlicher (ihn und die Praktiken der damaligen Zeit generell). Besonders schön fand ich auch, dass die Autorin Nebenfiguren viel Leben einhauchte und eine wichtige Rolle für Emily gab. Zum Beispiel das Hausmädchen oder der Arbeiter Mac. Auch ein gewisser Reporter hatte eine größere Rolle und das machte den Roman sehr abwechslungsreich. Man lernte die Personen gut kennen und begegnete ihnen über viele Jahre wieder und wieder.


Fazit:

Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Roman über den Bau einer Brücke so faszinieren könnte. Emily Warren Roebling ist eine interessante Frau und ich hatte ihren Namen bisher noch nie gehört. Mindestens genauso wie Emily steht die Brooklyn Bridge im Vordergrund dieser Geschichte. Insgesamt hat mich der Roman sehr begeistert. Er fühlte sich lebendig an, ich konnte die Aufregung, Tragik und die Euphorie regelrecht spüren. Mich lud das Buch ein, mehr über die Brücke zu recherchieren, ich sah mir Bilder an und Baupläne. Wenn das kein gutes Zeichen ist! Die Reihe über bedeutende Frauen (erschienen im Piper Verlag) und die Autorin Petra Hucke werde ich definitiv im Auge behalten.


Vielen Dank…

…an den Piper Verlag für mein Rezensionsexemplar!

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