[Rezension] Bad Feminist von Roxane Gay

Veröffentlicht: 9. Juni 2019 von Juliane

Bad Feminist
Roxane Gay
Anne Spielmann
Essaysammlung
btb Verlag
Mai 2019
Taschenbuch
416
Bad Feminist
… den Verlag!

Vom Verlag: Leider liebt sie Rapmusik, das Frauenbild: grauenvoll. Leider liest sie sehr gerne Fashion-Magazine, das Frauenbild: ebenfalls erschreckend. Und ihre Lieblingsfarbe ist leider: pink. In einer Zeit, in der Barack Obama sich als Feminist bezeichnet und sogar Modeimperien den Schriftzug in großer Zahl auf T-Shirts drucken, wahrscheinlich keine gute Idee. Feminismus ist chic geworden und angekommen in der Popkultur.
Aber was kann guter Feminismus heute wirklich sein? In ihrem hochgelobten Essayband sprengt Roxane Gay das ideologische Korsett eines guten und starren Feminismus und erklärt sich selbst ironisch zum Bad Feminist – stimmgewaltig, bestechend klug und fern jeder Ideologie unterzieht sie unsere Gegenwart einer kritischen Analyse und zeigt, wie man alles auf einmal sein kann: eine der bedeutendsten Feministinnen der Gegenwart und dabei definitiv nicht perfekt

Meine Meinung:

Obwohl ihr Werk “Hunger“ sehr bekannt und weit verbreitet ist, war mein erstes Buch von Roxane Gay nun „Bad Feminist“. Ich wurde durch den Titel darauf aufmerksam und wurde durch den tollen Klappentext so richtig neugierig. Einige meiner Buchfreunde lasen die Essaysammlung bereits vor mir und schwärmten allesamt davon. Nun begann ich und der „Prolog“, also die Anleitung, gefiel mir gut! Ich mag den Ansatz von Roxane Gay – sie spricht von Menschlichkeit und Unperfektion.

Ich fühlte mich inspiriert, denn sie öffnet dieses teilweise verbohrte Bild einer Feministin auf und erleichtert es, sich selbst als solche bezeichnen. Vielleicht sogar eher als schlechte Feministin („Bad Feminist“), gerade wenn man in einigen Punkten nicht mit den Idealen „der Feministen“ d’accord ist. Soweit freute ich mich darauf, weiter zu lesen. Doch dann begann die eigentliche Sammlung der Texte, die nicht unbedingt miteinander zusammenhingen.

Relativ weit vorn gibt es ein Kapitel über Scrabble. Ich las es durchaus interessiert, da mich tatsächlich das Spiel interessierte und ich fasziniert war, welche Regeln und Meisterschaften es dort gibt (mein Spieltalent bei Scrabble liegt übrigens bei Null). Dann war der Text zu Ende und ich fragte mich, wie er in dieses Buch passt. Was war daran feministisch? Was lernte ich daraus? Was wollte mir Roxane Gay damit sagen? Und ich konnte diese Fragen nicht beantworten. Eventuell sah ich den wichtigen Punkt nicht, vielleicht war der Text auch „einfach so“ mit reingenommen worden.

Wäre es bei dem einen Text geblieben, wär hätte ich gut darüber hinweg sehen können. Doch leider kam es immer wieder vor, dass es Essays gab, mit denen ich einfach nichts anfangen konnte. Sie langweilten mich und ich musste mich dazu bringen, weiterzulesen. Auch störte ich mich manchmal an ihrer Art, wie sie Dinge verurteilte. So hat sie ein klares Bild davon, wie ihre Studenten sein zu haben. Welchen Ehrgeiz sie mitbringen müssen und dass sie sich eigentlich so verhalten sollen, wie es Roxane selbst gemacht hat.

Das klingt nun recht negativ, ABER es gab auch viele, viele klasse Texte! Mehr als die Hälfte gefiel mir gut, inspirierte mich und ließ mich über so einige Themen nachdenken. Roxane Gay spricht über Gewalt, Rassismus, Ungleichbehandlung, Abtreibungen, Frauenliteratur und Übergewicht. Die einzelnen Essays sind gruppiert und somit taucht man richtig tief in die Thematiken ein. Einiges ließ mich ziemlich ächzen und brachte mich absolut aus meiner Komfortzone heraus. Denn in einigen Texten spricht sie über Serien und Filme – und vorallem was daran falsch ist.

So nimmt sie „The Help“ („Gute Geister“) und „Orange ist he new black“ auseinander, was ich beides zu meinen Favoriten (sowohl Film/Serie als auch Buch) zähle und mich ziemlich irritiert zurückließ. Denn ich kann gerade „The Help“ nun nicht mehr offen als Lieblingsbuch bezeichnen. Es ist einfach zu krass, was darin so grundlegend schief läuft. Wieso war ich vorher so blind dafür? Und gleichzeitig bin ich so dankbar, dass Roxane Gay mir meine falschen Denkmuster aufzeigt.

Zum Glück spricht sie auch über „50 Shades of Grey“ und „Blurred Lines“ (den Song von Robin Thicke), bei denen ich schon selbst merkte, dass etwas nicht stimmt. Allerdings war mir nicht annährend bewusst WIE VIEL daran nicht stimmt. Es ist zum Kopfschütteln und gleichzeitig fühle ich mich geläutert. Es ist eine Schande, dass solche Werke gefeiert und von der Gesellschaft akzeptiert werden. Genauso schockte sie mich mit ihren Texten über Stars, bzw. berühmte Männer, die durch ihre Profession (als Sportler oder Schauspieler) alles verziehen bekommen. Eine Schande, und Roxane Gay hat Recht: Das muss sich ändern!

Ich könnte noch ewig viele weitere Beispiele geben, was mich an Roxane Gays Texten begeisterte. Besonders mochte ich es, wenn sie ihre Begeisterung für z.B. „Die Tribute von Panem“ teilte. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich allerdings auch ziemlich klein und demütig, da sie die Arroganz so vieler Menschen (und teilweise auch mir, siehe „The Help“) so bloß stellt. Es ist kein angenehmes Buch, aber das wollte Roxane Gay mit Sicherheit auch nicht erreichen. Es ist ein Buch, was mehr als einen Gedankenanstoß gibt.


Fazit:

Mit sehr hohen Erwartungen bin ich an die Essaysammlung von Roxane Gay gegangen. Leider wurden diese nicht erfüllt, da circa 40% der Geschichte für mich nicht greifbar und sehr irrelevant schienen. Hingegen die restlichen Texte konnten mich sehr überzeugen und stießen mehr als einen Gedankengang bei mir an. Somit ist mein Gesamturteil sehr uneins, aber ich kann jedem nur empfehlen, dieses Buch selbst zu erkunden.


Vielen Dank…

… an den btb Verlag (via Bloggerportal) für mein Rezensionsexemplar!


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1 Kommentar

  • Janna | KeJas-BlogBuch 12. Juni 2019 at 16:36

    Oohhh dem Scrabble-Kapitel konnte ich auch nichts abgewinnen und konnte mir nur im Kleinen erklären, warum sie es schrieb …

    Hab dich frech bei meiner Rezension verlinkt (=

    Mich hat sich auch aus meiner Komfortzone geholt, besonders was OITNB betrifft, ebenso bezüglich der Rollen schwarzer Schauspieler*innen, wofür ich dankbar bin. Bislang hatte ich dies nicht so im Blick und je mehr ich darauf achte, desto mehr fällt mir auf wie recht sie hat!

    Schade das es dich nicht so begeistern konnte, ich fand das Buch grandios, auch wenn ich beim Triggerthema ihre Ansichten zwar verstehe, aber nicht gänzlich teile.

    Mukkelige Grüße!

    Reply

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