[Rezension] Das dunkle Land von Elizabeth Kostova

Veröffentlicht: 10. November 2018 von Juliane

Das dunkle Land Book Cover
Das dunkle Land
Elizabeth Kotova
Wunderraum Verlag
September 2018
Hardcover
736
Thomas Mohr
The Shadow Land
den Wunderraum Verlag

Die 26-jährige Alexandra Boyd reist allein aus ihrer Heimat Amerika nach Bulgarien, um dort als Lehrerin zu arbeiten.

Doch schon an ihrem ersten Tag in dem fremden Land geschieht ein Missgeschick: Bei einem Zusammentreffen mit anderen Hotelgästen verwechseln sie eine schwarze Tasche und Alexandra ist plötzlich im Besitz einer Urne.

Einer Urne mit Asche eines Verstorbenen. Sie begibt sich auf die Suche nach den Verwandten des Toten, den Besitzern der Tasche. Sie hätte nicht geahnt, welche Geheimnisse sie aufdeckt und in welche Gefahr sie sich begibt.

Meine Meinung:

Auf “Das dunkle Land” bin ich auf der Buchmesse durch sein wunderschönes Cover aufmerksam geworden. Als nächstes viel mir der Aufkleber auf, der sagte, dass Elizabeth Kostova die Autorin von dem Bestseller “Der Historiker” ist, der mich damals ziemlich fasziniert hatte.

Der Klappentext versprach eine düstere Geschichte mit vielen Wendungen und Abenteuern. Das Cover zeigte bereits eine stimmungsvolle Atmosphäre; die Geige und der Wolf machten mich neugierig.

Außerdem spielt die Geschichte in Bulgarien. Ein Land, mit dem ich wenig zu tun habe. Ich mag es, mit Hilfe von Romanen mit geschichtlichen Aspekten, mehr über fremde Länder zu lernen – gerade wenn das Land nicht einmal weit entfernt ist.

Über Bulgarien wusste ich so gut wie gar nichts und lernte durch “Das dunkle Land” ziemlich viel – das gefällt mir richtig gut. Ich weiß nun, wie die Landschaften aussehen, wie die Menschen dort ticken, welche politischen Probleme es gab – und immer noch gibt. Es ist teilweise schockierend und teilweise bestätigten sich meine Ahnungen.

Elizabeth Kostova springt zwischen den Zeiten hin und her. Mitte des 20ten Jahrhundert beginnen die Rückblenden, bis hin zur heutigen Zeit. Dadurch, dass sich Land und Stadt auch so sehr unterscheiden, verschwammen für mich das damalige Bulgarien und das heutige Bulgarien oft.

Nicht nur für ein fremdes Land muss man offen sein, wenn man diesen Roman liest. Nein, auch muss man offen sein für eine Geschichte, die nicht einfach zack zack erzählt wird. Ich verlor mich in der Geschichte, versank in den Worten. Zu Beginn dachte ich oft, dass ich gar nicht wusste, worauf es hinauslief. Doch dann merkte ich, dass mich das auch gar nicht interessierte – ich war so versunken und gefesselt.

Zeile für Zeile las ich begierig. Die Zeit, die verging merkte ich nicht. Die letzten 300 Seiten las ich in einer “Sitzung”. Ich war dabei, in Bulgarien. Saß im Taxi auf dem Rücksitz und beobachtete wie Alexandra und ihr Begleiter Bobby das Geheimnis aufdeckten und seine Verwandten suchten.

Dieser Roman bietet so viele Schichten. Besonders mochte ich die Konstellationen von Personen. Die Freundschaft und die verschiedenen Arten der Liebe. Natürlich steht Alexandra im Vordergrund, ihre innere Zerrissenheit und Rastlosigkeit. Mit Bobby hat sie so einen tollen Gegenpart bekommen – und sie sind kein Liebespaar. Ja, das betone ich, weil ich ihre Beziehung so sehr mochte. Diese unromantische zarte Bande zwischen den beiden Menschen.

Aber auch das romantische Herz kommt auf seine Kosten. Die Geschichte des Verstorbenen und seiner Frau. Wie beiläufig ihre Liebe geschildert wird und doch ist sie so intensiv. Ich könnte mehr ins Detail gehen, aber dann würde ich spoilern. Ein Hinweis für die Wissenden: Die Zeit in Zelenets, seine Gedanken und wie er sich aufrecht hielt – es beeindruckte mich sehr.

Wir lernen gemeinsam mit Alexandra viele ältere Menschen kennen, die ihren Teil der Geschichte erzählen. Sie berichten ihre persönlichen Geschichten – aber auch immer die Historie von Bulgarien. Welche politischen Umstände es gab, ob gerade ein Krieg herrschte und wie die Menschen darauf reagierten. Es war richtig gut geschildert und so erschreckend real.

Wer hier einen uptempo Krimi erwartet, ist komplett falsch. Man braucht Geduld und Interesse um diesen Roman zu lesen. Er ist unaufgeregt mit kleinen Ausnahmen. Es wird viel erzählt und berichtet. Manchmal wirkt es, als würde die Handlung auf der Stelle traben. Mich störte das nicht, weil ich jede noch so kleine Information in mich einsaugte und auch alles über Bulgarien so lesenswert fand.

Zum Schluss allerdings nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Ich hibbelte mit Alexandra mit und war überrascht / überrumpelt, als ich die “Auflösung” las. Damit hätte ich nicht gerechnet, auch wenn es eigentlich im Laufe der Geschichte schon einige Hinweise gab. Bravo, Elizabeth Kostova!

Das Ende rundet die ganze Geschichte so wunderbar ab. Es gibt Hoffnung und hat mich mehr als zufrieden gestellt, auch wenn die Geschichte im Ganzen sehr bittersüß war. Es ist definitiv kein Gute-Laune-Roman. Dafür bekommt man Einblicke sowohl in die Kriegszeit von Bulgarien also auch in die politischen Zustände dort, welche später (und heute) noch herrschen.


Fazit:

Die Liebe zwischen Menschen, zu der Musik und zu einem Land. All das verbindet dieser Roman von Elizabeth Kostova. Ich habe viel über Bulgarien gelernt und bin beeindruckt von dem kleinen Land, das so viel Geschichte birgt. Der Roman war ein Abenteuer, auch wenn er eher leise erzählt wird.

Ich mochte die vielen Berichte der Personen, auch wenn ich mir denken kann, dass sich einige Leser vielleicht nicht so gut unterhalten fühlen werden. Ich konnte wunderbar eintauchen in die tragische Erzählung und wünschte, ich könnte noch eine Fortsetzung lesen.


Vielen Dank…

… an den Wunderraum Verlag für mein Rezensionsexemplar!


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6 Kommentare

  • Katharina 12. November 2018 at 14:24

    Oh wow, das Cover alleine ist ja schon ein totaler Hingucker, aber der Inhalt klingt auch verdammt gut – ich habe mir das Buch tatsächlich gleich mal bestellt 😀
    Vor allem der Aspekt, dass man durch das Buch ein anderes Land besser kennenlernen kann, mit dem man sonst wenig zu tun hat finde ich unglaublich spannend, denn gefühlt spielt ja immer alles nur an denselben Orten, sprich USA, England oder Deutschland. Ein anderes Setting stelle ich mir da wirklich interessant vor und bin schon ganz gespannt drauf. Vor allem aber auch, weil du geschrieben hast, dass das Buch eher ruhig ist und gleichzeitig doch fesselnd und hach, ich freue mich schon total drauf. Das klingt irgendwie nach einem richtig guten Buch für diese Jahreszeit 🙂
    Eine tolle Rezension auf jeden Fall, die sehr viel Lust auf das Buch macht!

    Alles Liebe,
    Katharina

    Reply
    • Juliane 13. November 2018 at 5:19

      Liebe Katharina,

      aww, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Es freut mich, dass ich mit meinen Worten dein Interesse an der Geschichte wecken konnte ♡

      Ich finde es auch klasse, dass es endlich mal nicht an den typischen Orten spielt. Das macht das Leseerlebnis gleichzeitig zu einem ganz anderen!

      Dann wünsche ich dir auch viel Spaß mit dem dicken Wälzer und hoffe, er überzeugt dich auch! Kannst mir ja mal schreiben 🙂

      Liebe Grüße
      Juliane

      Reply
  • Zeilentänzerin 14. November 2018 at 20:34

    Das Cover ist schon unbeschreiblich hübsch anzusehen ♥ bereits auf Insta hast du mich mit dem Buch angefixt. Ich bin gespannt =)

    Zeilentänzerin

    Reply
    • Juliane 19. November 2018 at 13:24

      Und ich auch! Das Cover hat mich ja auch aufmerksam auf das Buch gemacht – in echt ist es sogar noch schöner!

      Liebe Grüße ♡

      Reply
  • Pink Anemone 16. November 2018 at 18:39

    Ich wusste es – wenn ich Deinen Blog besuche wird ein Buch entweder auf die WL gelangen oder gleich gekauft werden. Durch deinen Beitrag auf Tamaras Blog über Deine Buchschätze landete schon “Die Amerikanische Nacht” auf meiner aktuellen WL, nun folgt dieses Buch. Denn manchmal müssen Bücher nicht Spannung und Tempo haben, um einen gefangen zu nehmen und in der Geschichte zu verschwinden. Manchmal will man einfach nur mit den Protagonisten reisen, egal weshalb und wo sich das Ziel befindet. Auf solche Bücher trifft man aber eher selten, aber wenn doch, dann sind es Schätze und dieses Buch scheint genau so ein Schatz zu sein.
    Tja, ich schätze es wird wohl demnächst gleich gekauft werden…tztztz.

    Vielen Dank für diese tolle Rezension und jetzt traue ich mich nicht so recht bei Dir weiterzustöbern XD.

    Liebe Grüße aus Wien,
    Conny

    Reply
    • Juliane 19. November 2018 at 13:26

      Liebe Conny,

      sehr gut – das ist genau das, was ich mit meiner Rezension auslösen wollte 😉

      Auch “Die amerikanische Nacht” ist echt ein wahnsinnig tolles Werk! Ich bin sehr gespannt wie dir die Bücher gefallen werden. Sie sind beide sehr unterschiedlich, bei “Die amerikanische Nacht” ist es richtig richtig spannend und “Das dunkle Land” eher nur unterschwellig spannend. Beide richtig gut auf ihre Art und Weise!

      Viel Spaß beim Lesen! ♡

      Liebe Grüße
      Juliane

      Reply

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