[Rezension] Das karmesinrote Blütenblatt

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Das karmesinrote Blütenblatt Book Cover Das karmesinrote Blütenblatt

Michel Faber
Familie, Drama
1056

Inhalt:

In der viktorianischen Zeit in England gelingt der jungen Prostituierten Sugar der große Coup: Sie kann Henry Rackham für sich gewinnen. Der reiche Erbe eines Parfumunternehmes bietet ihr ein Leben, von dem ihre “Kolleginnen” – und vor allem Neider – nur träumen können. Doch auch das Leben von Henry birgt seine Schattenseiten. Seine Frau und seine Tochter leben isoliert, fern von der Realität. Sugar bricht in dieses Leben hinein und die Dinge entwickeln sich in ungeahnte Ausmaße.

 

Meine Meinung:

Dass ich mich tatsächlich auf Wertung festlegen konnte, wundert mich immer noch. Denn während ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich die unterschiedlichsten Empfindungen. Langeweile. Spannung. Hass. Liebe. Unglaube. Genervtheit. Dieser Roman ist wirklich sehr umfassend. Nicht nur von seiner (nicht geringen) Seitenzahl.

Es ist ein Brocken, den man vor sich hat, wenn man “Das karmesinrote Blütenblatt” aufschlägt und beginnt zu lesen. Ich kann leider nicht sagen, dass sich dieses Buch gut und einfach lesen lässt. Denn das ist nicht der Fall. Für mich war es zum Großteil ein Kampf. Warum habe ich es überhaupt durchgelesen? Über 1000 Seiten Kampf?! Ich muss wirklich sagen, dass ich weit mehr als einmal über das Abbrechen dieses Buches nachgedacht habe. Denn ausgerechnet der Anfang ist sehr zäh. In aller Gemächlichkeit wird der (sehr uninteressante) Alltag der Prostituierten beschrieben. Sugar, ihr Leben, ihre Umgebung. Gähn. Henry Rackham und seine geschäftlichen Langweiligkeiten. Gähn.

Nichts passiert. Die Geschichte schleppt sich nur so vorran. Das geht – ungelogen – mindestens 400 Seiten so. Tja, nach 100 Seiten wollte ich aufhören. Da blieb mein Zug wegen eines technischen Problems mitten in der Pampa für eine Stunde stehen und ich hatte nichts anderes bei mir als dieses Buch. Also las ich weiter. Ich gebe zu, dass ich einige Passagen überflogen habe und nicht gründlich gelesen habe. Aber irgendwie hat mich das Buch gefesselt. Plötzlich mochte ich es. Ich wollte weiter lesen. Also quälte ich mich weiter.

Ich wollte wissen, ob Sugar es schafft, aus der Gosse heraus zu kommen und was es mit ihren Roman auf sich hat. Kommen sie und Henry zusammen? Was ist mit seiner Frau? Was ist mit seinem Bruder? Ich las weiter. Und weiter. Zwischendrin wurde das Buch immer mal wieder spannend und richtig packend. Doch leider waren das nur wenige Passagen. Erst ab dem letzten Drittel wurde der Roman kontinuierlich interessant und fesselnd.

Dinge geschehen, mit denen man nicht rechnet. Abgründe tun sich auf. Sugar ist sympathisch. Henry weniger. Und so las ich bis zum Ende. Das Ende ist einerseits furchtbar und gleichzeitig faszinierend. Denn DAMIT hätte ich niiiiie gerechnet. Viele Möglichkeiten, wie das Buch enden könnte, hatte ich mir ausgedacht. Aber so etwas? Die Wahrheit ist: Dieser Roman endet mit einem Cliffhanger.

Als Leser hat man es also geschafft, 1000 zu lesen – die wirklich laaaaang sind – und dann wird man in der Luft hängen gelassen. Normalerweise flippe ich bei Cliffhangern aus. Doch hier passt es auf seine kuriose und seltsame Art. Durch liebe Buchfreunde habe ich erfahren, dass es eine Fortsetzung gibt, aus Sugars Sicht geschrieben. Irgendwann werde ich es sicher mal lesen – nur im Moment bin ich froh, dass ich diesen Roman hinter mir habe.

Warum vier Herzen? Weil mich dieser Roman beschäftigt hat. Ich war gefesselt. Ich mochte den Roman. Er hat mich verzaubert. Empfehlen kann ich diesen Roman niemanden. Wer möchte, soll ihn gern ausprobieren. Doch seid gewarnt: Man muss sich durch den Anfang durchbeißen – erst ab der Mitte des Romans wird man belohnt!

“Das karmesinrote Blütenblatt” wurde 2010 in einer Miniserie. Hier der Trailer:

Fazit:

Definitiv ein außergewöhnlicher Roman, der nicht für jedermann (https://cdn.iamjane.de/frau) geeignet ist. Wenn man die ersten (paar) Hundert Seiten überstanden hat, wird der Roman zu einem wahren Schatz! Das Ende ist überraschend und passt auf seine schräge Art und Weiße zu dem Gesamtbild. Empfehlenswert? Muss jeder für sich entscheiden.

Meine “Gefühlsachterbahn” kann man übrigens auf Goodreads verfolgen. Einen Zwischenstand meines “Leseabenteuers” hatte ich auch gebloggt.

6 Antworten auf „[Rezension] Das karmesinrote Blütenblatt“

  1. Ich lese das Buch gerade und muss mich nicht quälen. Das liegt aber daran dass ich dicken Büchern mehr abgewinnen kann, weil ich länger davon habe 🙂 Die Einschubkapitel über Henry (der Bruder des Gönners William, der wiederum Sugar aus der Gosse holt) wollte ich anfangs nur querlesen, aber seine kontrastreiche Figur zum "Trottel" William fesselt ebenso. Ich bin gespannt was die restlichen 548 Seiten noch erzählen 🙂

    1. Ich hab Wälzer auch gern, allerdings nur, wenn sie mich fesseln 🙂
      Aber ist ja super, dass es dir so gut gefällt! Bist du mittlerweile durch?

      Liebe Grüße
      Juliane

  2. Hallo Juliane,
    da sieht man mal wieder, wie bestrebt die DB ist, uns Reisenden Muße zur Kultur zu lassen. Weiter so!
    Ich fands von Anfang an spannend, bin mir aber nicht sicher, obs große Literatur ist oder einfach gute Unterhaltung. Witzig finde ich den Kommentar auf Seite 10xx bei den Danksagungen – etwa so: Die Notwendigkeit, ddieses Bändchen schmal zu halten,…

  3. Ich habe es bis seite 500 gelesen.
    musste es dann leider dem besitzer zurück geben. Bestell es mir aber grade. Finde es echt toll. Aber über 1000 seiten dauern eben.

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