[Rezension] Die Leichtigkeit und Weites Land von Catherine Meurisse

Veröffentlicht: 17. März 2019 von Juliane

Die Leichtigkeit / Weites Land
Catherine Meurisse
Ulrich Pröfrock
Autobiografie
Carlsen Verlag
Dezember 2016 / März 2019
Hardcover
133 / 96
… den Verlag!

(Vom Verlag)
Die Leichtigkeit“: Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die seit vielen Jahren für Charlie Hebdo arbeitet, entkommt dem Attentat auf Charlie Hebdo nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 für die Redaktionssitzung zu spät dran ist. Viele ihrer Kollegen und Freunde werden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst sucht seitdem nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben. Meurisse sucht in der Schönheit der Natur und der Künste nach anderen Bildern, macht sich nach Italien auf und beginnt langsam, zu ihrer eigenen Leichtigkeit zurückzufinden. 

Weites Land“: Catherine Meurisse blickt zurück auf das, was sie stark gemacht hat: eine glückliche Kindheit auf dem Lande. Ebenso liebevoll wie kritisch und mit viel Humor betrachtet sie ihre Aussteigereltern und die industrialisierte Landwirtschaft rundum. 
Aber das Paradies der Kindheit ist endlich und das Wichtigste, was ihr ihre Eltern vermittelt haben, ist, dass die Kunst und die Literatur uns helfen können, die Vergangenheit zu bewahren und die Zukunft vorzubereiten.

Meine Meinung:

Catherine Meurisse hat Talent, viel Gefühl und Erlebnisse kurz und prägnant in einen einzelnen Comicstrip zu packen. Auch wenn ihr Zeichenstil tatsächlich sehr an Karikaturen erinnern, schwingt nicht Humor mit in ihrer Erzählung, sondern Ernst. Trauer. Melancholie.

An den Anschlag auf Charlie Hebdo in dem Jahr 2015 erinnern sich bestimmt viele. Es war einfach schrecklich. Unsere Autorin Catherine Meurisse ist dem nur wegen eines verpassten Busses entkommen. Sie traf es schwer, hatte einen Schock und fiel in eine Art Loch. Sie konnte nicht mehr zeichnen und suchte nach einem Weg aus der Dunkelheit. All das drückt in “Die Leichtigkeit” aus. Die Vorkommnisse des Anschlags reißt sie an – sie hat es toll geschafft, ihre verschwommenen (von dem Schock verwischten) Erinnerungen aufs Papier zu bringen.

Teilweise gibt es makabere Stellen, gerade als sie auf die Terroristen eingeht. Da kommt definitiv Charlie Hebdo durch, was nicht ganz so mein Fall war. Allerdings bleibt sie generell bei einem ruhigen Erzählton. Der Anschlag war der Beginn einer Reise für sie. Diese Reise beschreibt sie nicht nur mit Worten und Orten. Auch in ihren Zeichnungen sieht man Unterschiede. Wie genau sind Personen gezeichnet, welche Farben verwendet sie. Als Leser bekommt man einen guten Eindruck von ihren Gefühlen auf dieser Reise.

Es gibt definitiv mehrere Gänsehautmomente und ich mochte auch, dass sie so viele Zitate und Aussagen von berühmten Künstlern aufgriff. Zeichnungen zeigte und somit ihre persönlichen künstlerischen “Highlights” mit der Leserschaft teilte.

Wiederum ist “Weites Land” sehr anders als “Die Leichtigkeit”. Hier beschreibt Catherine Meurisse ihre Jugend auf dem Land. Wie sie dazu gekommen ist, sich Geschichten auszudenken und wie ihre Fantasie wuchs. Man sieht hier klar einen Unterschied zu dem Zeichenstil. Während “Die Leichtigkeit” oft sehr düster und schwarz/weiß ist, haben wir hier viele Farben, detailreiche Zeichnungen und eine Vielfalt an Dingen innerhalb eines Comicstrips.

Man spürt, wie sehr die Autorin an ihrer Kindheit auf dem Land hängt. Wie sehr sie es genossen hat, dort aufzuwachsen. Sie zeigt dennoch nicht nur die Glanzseiten, sondern auch die Schattenseiten. Was nur leise mitschwingt, mir aber sehr gefiel, war das Verhältnis zu ihrer Familie. Wie sie gemeinsam das Projekt “Leben auf dem Land” durchführten und eine Einheit waren.

Fast schon sind manche Zeichnungen realistisch. Die Hintergründe, gerade Tiere und Pflanzen wirken fast wie Fotos, während die Personen nach wie vor sehr minimalistisch dargestellt sind. Man sieht, dass Catherine Meurisse ausprobiert, ihre Gedanken einfach freien Lauf lässt und ihre Kunst entwickelt.


Fazit:

Zwei Comics, die kaum unterschiedlicher sein können und jeder seinen eigenen Charme hat. “Die Leichtigkeit” gibt so viel Hoffnung und zeigt den Weg durch die Dunkelheit zurück ins Leben. Es gefiel mir sehr gut, wie Catherine Meurisse ihre Gefühle und ihr Trauma aufs Papier brachte. In “Weites Land” fehlte mir manchmal etwas die Dramatik, dennoch spürte ich auch hier die Leidenschaft von der Autorin. Ihre Kindheit auf dem Land ist ein krasser Kontrast zu dem Leben in Paris. Vom Zeichenstil gefiel mit “Weites Land” etwas besser, doch “Die Leichtigkeit” schaffte es durch die vielen Gefühle in mein Herz.


Vielen Dank…

… an den Carlsen Verlag für meine Rezensionsexemplare!


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