[Rezension] Ein Sommer in Brandham Hall von L.P. Hartley

Veröffentlicht: 2. Mai 2019 von Juliane

Ein Sommer in Brandham Hall
L.P. Hartley
Wibke Kuhn
Coming of Age
Eisele Verlag
Mai 2019 (Neuauflage)
1953 (Erstveröffentlichung)
eBook
400 (print)
The Go-Between
Netgalley und den Eisele Verlag!

Im hohen Alter findet Leo Colston ein altes Tagebuch von sich, in dem er die Ereignisse seiner Kindheit und Jugend niedergeschrieben hat. Er erinnert sich an einen besonderen Sommer, der sein Leben veränderte. Den Sommer, den er im Jahr 1900 als 13-jähriger in Brandham Hall verbrachte. Dort hatte er seine erste Schwärmerei, fand seine Aufgabe als Botenjunge und begann über das Leben zu lernen. Hin- und hergerissen zwischen Pflicht, Höflichkeit und Neugier, versuchte er seinen Platz zu finden. Doch auch geschahen Dinge, die er als 13-jähriger gar nicht verstand und mit Naivität betrachtete.

Meine Meinung:

Meine Erwartungen an diesen Roman waren ganz anders und ich wurde positiv überrascht. Denn im Vorfeld hatte ich von diesem Roman noch nicht gehört. Was mich wundert, denn im Nachhinein habe ich gelesen, dass er fast als Klassiker zählt und auch Ian McEwan Fan von diesem Roman ist. (Und ich bin großer Fan von Ian McEwan!)

Tatsächlich hatte ich eine romantische Geschichte auf einem Herrenhaus erwartet. Dass die gesamte Geschichte nur einen Sommer überdauert und ein 13-jähriger Junge in der Hauptrolle ist, hatte ich überlesen. Und ich bin froh, denn ich weiß nicht, ob ich den Roman sonst gelesen hätte. Und ich hätte wirklich etwas verpasst. “Ein Sommer in Brandham Hall” ist auf den Punkt. Jede Szene passt in diese inszenierte Geschichte und langsam, aber stetig, steigt die Spannungskurve bis zu dem dramatischen Wendepunkt. Jede Figur spielt ihre wichtige Rolle, es scheint keine Zufälle zu geben – gerade wenn man es rückblickend betrachtet.

Für mich war es etwas Neues, eine Geschichte aus der Sicht eines 13-jährigen zu lesen und mir gefiel es gut. Der Autor hat die jugendliche Naivität so gut dargestellt – fernab von Intrigen, Hintergedanken und Vermutungen. Es war wirklich erfrischend, diese Leichtigkeit zu lesen. Wie seine Laune wechselte, was ihn erfüllte, was ihn stolz machte. Aber auch wie er offensichtliche Dinge nicht erkannte, die man Wiederrum als Leser so deutlich sah. Und der Autor verbarg das auch nicht. Hinweise waren offensichtlich und der Umgang des jungen Leo damit, war schon fast witzig.

Nachdem ich über die Verbindung zu Ian McEwan gelesen habe, seh ich klar die Inspiration in “Abbitte“. Auch hier gibt es Missverständnisse mit Folgen, die Naivität eines Kindes und dessen schwere Folgen. Ich würde fast sagen, dass Ian McEwan die Geschichte von L.P. Hartley weiterentwickelt hat und noch einen ganzen Batzen mehr Drama und Gefühle raufgepackt hat.

Mir gefiel besonders der Erzählstil und Schreibstil. Ich kann es an nichts Bestimmten festmachen. Doch mich fesselten letztlich sogar simple Beschreibungen von einem ereignislosen Ausflug sehr, sodass es nur am Schreibstil liegen kann. Man ist richtig versunken in dem Buch, und ist Teil des heißen Sommers in Brandham Hall.

Auch das Ende war rund, passte sehr gut zur Geschichte und Schlug den Bogen zu dem Beginn. Ich empfand es als sehr befriedigend nicht mit dem Geschehnisse von 1900 allein gelassen zu werden, sondern von dem Leo im Jetzt eingeholt zu werden und die Dramatik mit ihm gemeinsam zu verarbeiten.


Fazit:

Ein flirrende und packende Geschichte über die Naivität der Jugend. Über Sorglosigkeit und die dramatischen Folgen des Nichtverstehens. Nicht nur die Geschichte selbst, auch der ruhige, aber so einnehmende Schreib- und Erzählstil begeisterten mich. Das ist definitiv ein Buch, dass ich sehr gern gelesen habe und froh bin, entdeckt zu haben!


Vielen Dank…

… an Netgalley und den Eisele Verlag für die Bereitstellung meines Exemplars!


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