[Rezension] Grimm

Veröffentlicht: 27. August 2011 von Juliane

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Grimm Book Cover
Grimm
Christoph Marzi
Fantasy
298 eBook-Seiten

Inhalt:

Teenager Vesper Gold trifft es hart: Ihr Vater stirbt und kurz darauf ihre Mutter. Ihr Leben gerät aus den Fugen. Aber nicht nur ihr Leben: Wölfe tauchen auf, Kinder überall auf der Welt schlafen plötzlich minutenlang ein und ihre Eltern werden von den selben schrecklichen Alpträumen geplagt.

 

Meine Meinung:

Ein Märchenbuch für Erwachsene. Klingt super, oder? Dachte ich auch. Ein bisschen Grusel und ein Wiedersehen mit den wunderbaren Gestalten der Märchenwelt. Eine Mischung, die doch ein zauberhaftes Lesevergnügen bereiten sollte. Sollte. Denn dieses Buch ist überhaupt gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Mir fehlte das Märchen darin. Ein paar Killer tauchen in Form von Menschenwölfen auf. Jacob und Wilhelm Grimm haben soooo viele Märchenwesen und Geschichten geschaffen. Einige klopfen kurz in dieser Geschichte an und verschwinden dann sang- und klanglos wieder. Nie wurde auf eines richtig eingegangen. Sie winkten kurz und verschwanden wieder. Märchen wurden angedeutet, aber nie traten sie in das Spotlight.

Auch insgesamt war mir die Geschichte zu flach. Es passiert so wenig. Ich könnte das gesamte Buch in einer Hand voll Sätzen zusammenfassen. Die ersten zwei Drittel dümpelten vor sich hin, das letzte Drittel gewann zum Glück etwas an Fahrt und doch passiert die eigentliche Handlung (die ich gern ausführlicher gelesen hätte) auf den letzten 50 Seiten.

Ich habe nicht den Anspruch, dass ein Buch, in dem es um Märchen geht, selbst ein Märchen sein muss, dennoch hätte ich mir eine “Moral der Geschicht’” gewünscht. Das Ende kommt abrupt. Plötzlich ist es zu Ende. Und was für ein Ende! I’m not amused! Nicht, dass es mich tief getroffen hätte, aber doch finde es unausgeschmückt.

Vielleicht ist das Buch auch eher für Männer geeignet. Als Frau habe ich andere Erwartungen. Ich möchte schöne Momente in dem Chaos, ich möchte zwischenmenschliche Beziehungen und Schnörkeleien in der Geschichte.

Vesper war eine gute Hauptperson, dass sie so wenig von der Schule hält und so oft schwänzt finde ich zu klischeehaft, dass sie lieber näht und darin ihre Leidenschaft gefunden hat, finde ich sympathisch. Nicht wegen des Nähens, sondern weil es unkonventionell ist. Sie hat auch eine Vorliebe für Musik. Ständig werden Songtitel in den Raum geworfen, Zitate aus den Songtexten. Ich verstehe den Zusammenhang von einigen zur Story bis jetzt nicht.. aber sie störten auch nicht weiter.

Leander – toller Name! – blieb für mich bis zum Schluss schemenhaft. Nie konnte ich ihn richtig erfassen, was war er für ein Charakter? Wieso vertraute Vesper ihm? Ihre Gefühle gegenüber Leander kamen bei mir nicht an. Ihre “Liebe” schien mir unpräsent. Wieder war es zu unausgegoren, es kratzte nur an der Oberfläche.

Von dem berühmten Stil von Marzi hab ich schon in verschiedenen Rezensionen (auch zu anderen Büchern) gelesen. Er ist wirklich sehr prägnant. Ständig. Schreibt. Er. In. Kurzen. Sätzen. Und die am liebsten untereinander. Am Anfang kam mir der Schreibstil philosophisch und angenehm vor, doch das änderte sich mit dem Lauf des Lesens. Man kommt durch diesen Schreibtstil aus dem Lesefluss heraus.

Spannende Szenen werden so in die Länge gezogen, dass sie ihre Spannung wieder verlieren. Mir wurde es bei manchen Szenen zu bunt und ich übersprang eine halbe Seite. Man konnte auf einem Blick sehen, dass diese Sätze aus den üblichen Gedanken-Fetzen bestanden. Bestimmt gibt es einige, die diese abgehackte Erzählform mögen. Ich gehöre sicher nicht dazu. Mir fehlten die langen Passagen, in denen man sich fallen lassen konnte.

Nach meiner doch recht negativen Meinung wird man sich über meine Bewertung wundern. Aber ich kann dem Buch nicht weniger Herzen geben. Zuerst wollte ich es nur mit 2 Herzen bewerten, doch das kam mir falsch vor. Richtig schlecht war das Buch nicht. Bestimmt gibt es einige Menschen, die das Buch lieben, gerade weil es so schlicht und einfach ist. Das Cover ist klasse und die Grundidee auch. Die Ausführung war nicht mein Fall.

 

Fazit:

Fairytale gone bad. Dieses Lied schwirrt Vesper die gesamte Geschichte über im Kopf herum. Und ich muss sagen: Ja, Fairytale gone bad. Für Zwischendurch und mit niedrigen Erwartungen wird das Buch unterhalten. Doch wer sich auf Märchen freut und auf ein Wiederbeleben der altbekannten Geschichten wird enttäuscht sein.

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