[Rezension & Interview] Werwölfe in Aremsrath von Tanja Hanika

Veröffentlicht: 6. Dezember 2018 von Juliane

Werwölfe in Aremsrath Book Cover
Werwölfe in Aremsrath
Tanja Hanika
Schauerroman
Selbstverlegt
November 2018
Taschenbuch
186
... die Autorin!

Ende des 19. Jahrhunderts in der Eifel: Nachdem ein Werwolf Pauls Familie getötet hat, zieht er zu seinem Onkel nach Aremsrath. Er eröffnet eine Apotheke und knüpft schnell Kontakte. Auch dort ist die Angst vor Werwölfen allgegenwärtig und eine Bürgerwehr gründet sich um die Stadtbewohner zu schützen. Die junge Frau Minna wohnt in einer Villa in Aremsrath, aber selbst diese schützt sie nicht. Sie freundet sich mit Paul an, will mehr wissen über den Kampf gegen die Werwölfe und was sie selbst tun kann.

Heute folgt ein besonderer Beitrag! Nicht nur meine Rezension zu „Werwölfe in Aremsrath“ findet ihr hier – nein, auch ein Interview mit der Autorin Tanja Hanika! Ich hoffe, ich mache euch das Buch schmackhaft, denn es hat mir wirklich gut gefallen.


Meine Meinung:

„Werwölfe in Aremsrath“ war der erste richtige Schauerroman, den ich gelesen habe. Das Genre an sich ist mir nicht neu, gerade weil in Jane Austens „Northanger Abbey“ die Protagonistin mit Freude Schauerromane (auch Gothic Fiction genannt) verschlungen hat und mich das eigentlich schon immer neugierig auf das Genre gemacht hat. Schauerromane sind gruselig und düster, aber nicht brutal oder blutig. Meist spielen sie im 18. oder 19. Jahrhundert.

Und genau das trifft auch auf diese Geschichte zu. Schon direkt die erste Szene zeigt, was Sache ist: Werwölfe! Es wird keine Zeit verschwendet, lang ein Setting aufzubauen und die dunklen Kreaturen anzudeuten. Definitiv deutet Tanja Hanika nicht nur an. Tatsächlich war ich ziemlich überrascht und beeindruckt davon, wie schnell ich einem Werwölf gegenüberstand und wie heftig die Geschichte gleich beginnt.

Aber das ist gut. So ist der Puls direkt oben, wenn die eigentliche Geschichte rund um Paul beginnt. Paul ist mir echt sympathisch und ich las gern über seine Geschichte. Er ist Apotheker und die Idee, ihm solch einen Beruf zu geben, fand ich klasse! Schließlich gab es auch solche Berufe vor 200 Jahren und die Autorin zeigt auch, dass sie Hintergrundwissen dazu hat. Ein sehr interessanter Einblick hinter die Kulissen. Sein Mut, seine unkonventionellen Handlungen und sein Kampf gegen die Werwölfe war sehr spannend.

Viel mehr als Paul gefiel mir allerdings Minna. Unsere heimliche Heldin. Sie ist so cool! Ich mochte sie sehr, genoss jede Szene mit ihr. Sie ist so vielschichtig und voller Überraschungen. Ihre Gefühle zu verfolgen war so interessant, ihre Sicht zu der Ehe und wie sie sich ihren eigenen Weg sucht. Auch ist sie so selbstständig und nimmt ihr Schicksal in die Hand. Ach, ich las so gern über sie! Sie ist wirklich zu meinem Liebling geworden!

„Werwölfe in Aremsrath“ umfasst 186 Seiten und ist somit relativ dünn für einen Roman. Doch auch auf diesen wenigen Seiten entsteht eine so gut konstruierte und strukturierte Geschichte. Ich denke, dass jede weitere „künstliche“ Ausschmückung nicht gut getan hätte und einiges an Spannung geraubt hätte. Mit treffenden Szenen und Ausschnitten aus dem Leben von Paul und Minna zeigt die Autorin Talent, eine vollständige und so fesselnde Geschichte auf wenigen Seiten zu erzählen. (Aber natürlich hätte ich gern noch viel mehr gelesen und war ziemlich traurig, als ich das Buch dann beendet hatte.)

Neben den beiden Hauptpersonen gefielen mir die Enthüllungen, die Spannung und die Action. Ich fieberte auf die Werwölfe zu, freute mich, wenn sie wieder auftauchten und spürte den Nervenkitzel, dass es jeden treffen könnte. Also ja, mehr als einen Schauer habe ich beim Lesen gespürt, ohne dass es zu gruselig wurde. Das Ende ist so schön und echt hollywoodreif. Tatsächlich hätte ich nicht gedacht, dass es so ein perfektes Ende für diese schaurige Geschichte geben könnte.


Fazit:

Ein fesselnder und spannender Schauerroman, der mich voll und ganz überzeugen konnte. Tolle Protagonisten, unvorhersehbare Wendungen und ein atmosphärisches Setting. Wer sich mal wieder gruseln möchte ist hier genau richtig!



Interview mit Tanja Hanika

Tanja war so lieb und hat mir einige Fragen beantwortet. Also wenn ihr euch gefragt habt, wie Tanja überhaupt auf Werwölfe gekommen ist oder was als nächstes geplant ist, lest weiter! 


Juliane: Wie kam es dazu, dass du Werwölfe als zentrales Thema / Figuren in deiner Geschichte gewählt hast?

Tanja: Nach meinen vorherigen Horrorprojekten („Zwietracht“, „Scream Run Die“ und „Der Angstfresser“) hatte ich große Lust, mich endlich wieder einem Schauerroman zu widmen. Ich habe mir überlegt, dass ich über etwas anderes schreiben möchte, als die allzu typischen Schauerromanfiguren Gespenster oder Vampire. Stattdessen auf Werwölfe zurückzugreifen, lag irgendwie einfach nahe. Ich habe gegrübelt, welche Geschichte ich über Werwölfe erzählen will. Welche Szenen ich unbedingt schreiben möchte und worauf ich den Fokus legen möchte. Schnell wurde ich von vielen Ideen geradezu überrannt und der Entschluss war gefasst.


Werwölfe sind ja gern auch mal Figuren von Märchen. Ich finde deine Geschichte hat auch einen Hauch von Märchen (allerdings in ziemlich gruseliger Form). Hast du als Kind gern Rotkäppchen und Co. gelesen?

Mit Rotkäppchen hast du einen Volltreffer gelandet. Das Märchen habe ich als Kind geliebt. Ebenso Rapunzel und Hänsel und Gretel. Ja, ich bin da absolut Team Grimm. 🙂


Ich finde es total spannend, dass unser Paul Apotheker ist! Wie ist er zu seinem Beruf gekommen und woher hast du dein Wissen über den Beruf zu dieser Zeit genommen?

Ich wollte jemanden, der sich schnell einen gewissen Einfluss und Ruf im Dorf aufbauen kann, obwohl er fremd ist. Außerdem war da ehrlich gesagt der Gedanke, dass ich nicht schon wieder einen Schriftsteller als Protagonisten benutzen kann, sonst erwarten das die Leser bald für jedes Buch. Dass er einen gewissen Bildungsgrad hat, hat es für mich leichter gemacht, ihn der Geschichte auszusetzen, die ich geplant hatte, als wenn ich ihm einen handwerklichen Beruf gegeben hätte. Es hat sich schnell richtig angefühlt und so bin ich dabei geblieben.

Abgesehen von Internetrecherche und einigen Informationen, die ich vom Mann meiner wunderbaren Autorenkollegin Jessica Bradley erhalten habe, der sogar Pharmazie studiert hat, habe ich hierfür einen Rechercheausflug nach Bad Münstereifel unternommen. Dort gibt es ein Apothekenmuseum, das mich zurück in die Zeit um 1870 versetzt hat, wo auch der Schauerroman spielt. Ein alter Verkaufsraum ist dort aufgebaut und ich habe mich gefühlt, als stünde ich in meinem Roman. Das war ein unglaubliches Erlebnis.


Wenn man „Aremsrath“ in Google eingibt, findet man keine reale Stadt. Hat Aremsrath denn ein reales Vorbild?

Genau, Aremsrath ist fiktiv, aber insgesamt habe ich versucht, einen Eindruck von der tatsächlichen Eifel zu erwecken. Ein bisschen habe ich Aremsrath mit seinen Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflastergassen an das eben erwähnte Bad Münstereifel angelehnt.


Hast du schon einen weiteren Schauerroman geplant? Und wenn ja, worum wird es gehen?

Ja, ich habe bereits Pläne für einen modernen Schauerroman. Also einen, der nicht im Setting historisch ist, sondern dieses Mal in der Gegenwart spielen soll. Da das Projekt erst grob vorgeplottet ist, kann ich dazu noch nicht allzu viel sagen, außer, dass möglicherweise Vampire darin vorkommen könnten. Ob der Versuch klappt, einen Schauerroman in die Gegenwart zu holen, muss ich selbst noch herausfinden.

Für 2019 sind erst einmal ein Hexenhorrorroman und eine eigene zweite Horroranthologie geplant.


Ich würde gern noch mehr über deinen Schreiballtag erfahren. Was inspiriert dich für deine Schauergeschichten?

Über Inspirations- oder Ideenmangel kann ich mich nicht beklagen. Beides finde ich im Alltag. Ich liebe es zu schreiben. Mich inspirieren Nebel, Regen oder Gewitter und wenn die Sonne scheint, genieße ich es im Garten zu schreiben. Ansonsten höre ich gerne rockige Musik beim Schreiben. Manchmal liefern auch eigene Albträume eine gute Ausgangssituation für meine Gruselgeschichten, aber da muss man gut aussortieren, weil Träume oft recht wirr sind. Mir fehlt eher die Zeit, all die Ideen und Inspiration umzusetzen.


Wie bist du zum Schreiben gekommen und was für eine Rolle nimmt das Schreiben in deinem Alltag ein?

Mit acht Jahren habe ich in einer Bücherei eine Kinderversion von Bram Stokers »Dracula« aufgestöbert und das Buch hat mich absolut verzaubert. Seither bin ich nicht nur ein Bücherwurm, sondern ab da wollte ich auch selbst Gruselgeschichten schreiben und habe umgehend an einer alten Schreibmaschine meines Opas mit gruseligen Kurzgeschichten begonnen. Ich habe mir mit dem Self-Publishing also einen Kindheitstraum erfüllt und bin Horrorautorin geworden.

Als Mama muss man ein bisschen die Lücken finden, die man hat. Daher schreibe ich vor allem vormittags, wenn der Sohn im Kindergarten ist.


Was ist für dich das Beste am Autoren-Sein? Hast du Tipps für Neulinge?

Abgesehen von den begeisterten Lesern, die das Autoren-Herz wirklich enorm zum Schlagen bringen, ist es das Schönste, die eigenen Welten zu erschaffen. Beim Schreiben ist man so sehr in seinem Kopfkino drinnen, dass man die Abenteuer der Protagonisten miterlebt. Das sind unglaublich intensive und spannende Erlebnisse, ja sogar Reisen, die man da am Schreibtisch machen kann. Ich finde das absolut bereichernd.

Beschränken wir die Tipps am besten auf drei, sonst ufert das hier zu sehr aus.^^

Ich finde es hilfreich beim Schreiben der Rohfassung zu akzeptieren, dass der Text zu dem Zeitpunkt noch nicht perfekt sein muss. Das nimmt Hemmungen und vermeidet Blockaden. Alles, was man geschrieben hat, überarbeitet man später. Erst einmal geht es darum, eine erste Form der Geschichte zu erzählen.

Der zweite Tipp ist kurz: Lies so viel du kannst und alles Mögliche.

Und zuletzt: Nimm dich und dein Schreiben ernst. Dann werden es auch andere tun und dir fällt es leichter, die Motivation aufzubringen, dein Projekt zu beenden.


Vielen Dank, liebe Tanja, für deine Zeit mir all diese neugierigen Fragen zu beantworten!

Und natürlich herzlichen Dank für mein signiertes Exemplar deines Romans!


1 Kommentar

  • Svenja 7. Dezember 2018 at 13:03

    Liebe Juliane,
    ich habe deine Rezension sehr genossen! Ich selbst lese recht selten Schauerromane, obwohl ich ein Seminar zu dem Thema in der Uni total geliebt habe! Ich nehme deinen Buchtipp auf jeden Fall sehr geren mit und habe auf einmal wieder richtig Lust, mich bei einem Buch zu gruseln :)!

    Viele Grüße,
    Svenja

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