[Rezension] Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus von Susanne Hasenstab

Veröffentlicht: 10. Mai 2019 von Juliane

Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus
Susanne Hasenstab
Coming of Age
Limes Verlag
März 2019
Hardcover
410
… den Verlag!

Katja hat keine Lust mehr. Sie hängt noch immer in ihrem Halbtagsjob beim Sonntagsblitz fest, bei dem sie vor Jahren mal als Praktikantin begonnen hat. Ihr Freund Jonas schleppt sie von einer Hausbesichtigung zur nächsten, obwohl sie sich gar nicht sicher ist, ob sie das volle Programm mit Eigenheim, Kindern und Hund überhaupt will. Ihr Umfeld ist einfach verrückt. Ihre Freundin ist auf dem Meditationstrip und ein alter Bekannter veranstaltet auf einmal eine Wohnzimmer-Soiree, die ihr Leben trotz ihrer Langweiligkeit ziemlich durcheinander wirft.

Meine Meinung:

Es ist schwierig mit diesem Buch und mir. Denn generell hat es mir gut gefallen und auch mochte ich die Idee dahinter. Insgesamt würde ich es als solides und sehr unterhaltsames Buch bezeichnen. Doch Katja, die Protagonistin ging mir ziemlich auf den Keks. Sie war mir toooootal unsympathisch und das trübte mein Leseerlebnis tatsächlich ziemlich. Sie ist ein Miesepeter, total zynisch und verurteilt andere Menschen. Ich brauche keine „alles ist toll“ Protagonistin, der alles zufliegt und der es super geht. Dennoch war mir Katja ein Touch too much. Selbst wenn sie manche Themen (wie Hauskauf) nicht mag und entsprechend reagiert, könnte sie im Nachhinein ja darüber reflektieren, wie sie gedacht oder gehandelt hat. Allerdings sie sehr resistent gegenüber Kritik an sich selbst.

Wenn man von der Protagonistin Katja absieht, ist das Buch echt gut und witzig. Es gibt einfach SO viele Situationen, die ich selbst schon erlebt habe. Besonders erschreckend war eine Szene als sich Katja und ihr Freund ein Reihenendhaus angesehen haben und die Nachbarfamilie näher kennengelernt haben. Wie sie über und mit ihren Kindern gesprochen haben, was ihren Alltag bestimmte und was ihre Gedanken waren. Genau das erlebe ich bei meinen Freunden auch. Sowieso merkt man, dass die Autorin diesen Zwiespalt in meiner Generation (der jetzt um die 30 jährigen) gut auffasst. Ob es das Verhalten der Eltern ist, oder die Erwartungen des Umfelds.

Den Druck, sich zu entscheiden und festzulegen ist spürbar. Katja spricht es nie aus, aber es ist klar ein Thema in dem Roman. Sie sollte sesshaft werden, ihrer glücklichen Beziehung mit einer Hochzeit die Krone aufsetzen und am besten sofort mehrere Kinder bekommen (bevor die Eltern pflegebedürftig werden und nicht mehr babysitten können). Diese Unwissen, was zu tun ist, die letztendlich Katja (und viele unserer Generation) regelrecht lähmt. Die innere Stimme ist still, wenn es um die wichtigen Entscheidungen geht im Leben.

Da Katja wie erwähnt sehr zynisch und eher derb ist, ist auch die Grundstimmung in dem Roman eher sarkastisch und fast schon ein wenig respektlos. Dennoch wirken die Szenen auch oft für sich. Es ist wirklich skurril, erschreckend realistisch und teilweise echt witzig, wenn man eigene Erlebnisse dort entdeckt. Manche Personen wie Heinrich sind wirklich zu überspitzt dargestellt, während andere wie Inga sich tatsächlich in mein Herz schlichen (gern hätte ich den Roman aus ihrer Sicht gelesen!) haben. Der Roman ist ein Mix aus Tragik und Komödie, mit einem simplen Schreibstil und vielen Dialogen, wodurch sich das Buch allerdings sehr leicht und schnell lesen liest.


Fazit:

Susanne Hasenstab hat mit ihrem Roman „Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus“ eine unterhaltsame Geschichte geschrieben, die erschreckend nah an der Realität ist. Mir war die Protagonistin Katja leider ziemlich unsympathisch, was meine Leseerlebnis etwas trübte. Im Gesamten mochte ich das Buch durch seine Skurrilität allerdings sehr gern und ich bin froh, dass die Autorin das Ende gewählt hat, das für mich auch das einzig stimmige war.


Vielen Dank…

… an den Limes Verlag für mein Rezensionsexemplars!


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