[Rezension] Schlaflied

Veröffentlicht: 27. Februar 2017 von Juliane

Schlaflied Book Cover
Schlaflied
Rönning & Stilton #4
Cilla und Rolf Börjlind
Krimi
btb Verlag
Februar 2017
Taschenbuch
480
Sov du lilla videung
Vorablesen und btb Verlag

In den Tiefen des schwedischen Smålands wird ein Junge gefunden - von ihm ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ein Dolch mit einer rumänischen Inschrift werden nahe des Jungen gefunden.

Für Stilton keine Frage: Er reist nach Rumänien und geht der Sache nach. Eine Art Mafia Gruppierung scheint dahinter zu stecken.

Doch dann tauchen noch mehr Opfer auf. Alle junge Menschen, die aus ihrem Heimatland nach Schweden geflüchtet sind. Wie passt das zusammen? Warum wurden sie so grausam getötet?

 

Meine Meinung:

Obwohl es der vierte Teil einer Reihe ist, kann man diesen Krimi wunderbar auch als eigenständigen Roman lesen. Ich muss zugeben: Die ersten Bände kenn ich nicht, aber der Klappentext von diesem Roman hat mich auf Vorablesen sehr neugierig gemacht. Schweden. Eines meiner Lieblingsländer – Smaland! Dort war ich selbst schon gewesen und kenne diese urigen, leicht gruseligen Wälder. Schweden hat ein ganzes besonderes Flair und ich hoffte, es in dieser Geschichte wiederzufinden.

Der Prolog dieses Buches ist sehr hart. Ich habe ihn abends im Bett gelesen und habe das Buch sofort wieder beiseite gelegt. Schwedenkrimis haben den Ruf, sehr brutal und schonungslos offen zu sein. Das war hier nur teilweise der Fall. Der Prolog gehört in diese Kategorie. Mir hat der Prolog generell die Lust an dem Buch etwas vermiest. Es beginnt mit Hahnenkämpfen und einer unsympathischen Frau, die mit einem fremden Mann die Nacht verbringt und dann ermordet wird. Unschön, brutal, unsympathisch.

Zum Glück habe ich weitergelesen. Denn der eigentliche Roman ist weitaus angenehmer. Auf die Geschichte des Prologs wird erst am Ende wiedereingegangen (und es gefällt mir so gut! Gerechtigkeit!). Nun werden nach und nach Personen vorgestellt und ihre Geschichten angerissen. Für meinen Geschmack waren es zu viele verschiedene Personen, die dem Leser zu schnell vorgestellt worden. Nun kann es daran liegen, dass ich die ersten drei Teile nicht kannte und treue Leser zumindest die Ermittler schon kannten.

Diese Krimireihe wird als “(Olivia) Rönnung & (Tim) Stilton Reihe” betitelt, doch es dauert leider ziemlich lang, bis man die beiden gemeinsam in Aktion erleben kann. Bis dahin haben mich die vielen Namen und parallel passierenden Geschehnisse ziemlich verwirrt. Zur Mitte hin fügt sich alle zusammen und ich habe gemerkt, dass alle Puzzleteile ineinander passen. Der Roman ist gut konstruiert. Jede Person spielt einen wichtigen Teil und wenn nur eine Person gefehlt hätte, wäre die Geschichte anders ausgegangen.

Dennoch hat es gute 150 Seiten gedauert, bis mir das Buch langsam gefallen hat. Ich erkannte Personen wieder und ich begann mitzufiebern. Leider ging es nach Rumänien auf Spurensuche. NEIN! Ich hatte mich doch so auf Schweden gefreut! Zumindest kann ich nun sagen: Ich will bloß nicht nach Bukarest – die unterirdische Welt dort ist schrecklich und sicherlich nicht in diesem Roman erfunden.

Der Schreibstil ist für meinen Geschmack etwas zu ausladend gewesen. Viele Sätze hätte man knapper und flüssiger formulieren können. Ich musste ein paar mal doppelt lesen um zu verstehen, was passiert ist.

Richtig Sympathie habe ich leider zu keinem der Charaktere aufgebaut. Gern hatte ich noch mehr Zeit mit Olivia verbracht, ihre Geschichte interessiert mich am meisten, auch ihre Zukunft. Sie ist sehr mutig und stark, zumindest sind ihre Aktionen das – so richtig konnte ich es ihr als Charakter nicht abnehmen.

Ich finde es gut, dass das Thema der Flüchtlinge aufgenommen wurde. Ja, es ist ein Thema, das schon lange in den Medien ist und keiner hört mehr so wirklich hin. Doch ja, es ist immer noch relevant. Was in diesem Roman passiert, kann durchaus Realität werden. Wieso sind elternlose Kinder aus fremden Ländern weniger wert? Kann man mit ihnen machen was man will? Nein! Und diese Moral vermittelt dieses Buch sehr deutlich. Cilla und Rolf Börjlind geben den Flüchtlingen Gesichter und Namen. Auch die Helfer werden dargestellt. Die Situation in der sie sich alle befinden. Toll! Wunderbar! Gern mehr davon!

Der Titel “Schlaflied” wundert mich im Nachhinein etwas. Ein Schlaflied spielt eine sehr kleine Rolle, und ich frage mich, warum es zu dem Titel des Romans (auch im Original) geworden ist. Die zwei Personen, die mit dem Schlaflied in Kontakt sind, haben eine wichtige Rolle – aber nicht die Hauptrolle.

Zu guter Letzt muss ich noch loswerden, dass mir der Krimi etwas zu spannungslos war. Es hat der Spannungsbogen gefehlt. Die Geschichte plätschert lange vor sich hin, erst auf den letzten Seiten (und der Leser weiß dann schon wer was getan hat), kommt es zu einem Showdown, bei dem mein Puls sich etwas beschleunigt hat. Schade! Denn nicht nur Thriller sollten einen vom Stuhl reißen. Generell bevorzuge ich es, dass ich bis zum Schluss nicht weiß, wer der Mörder ist und nicht schon bei der Mitte des Buches.

Teil 1 der Reihe um das Ermittlerteam Olivia und Tom ist “Die Springflut“, Teil 2 ist “Die dritte Stimme” und Teil 3 ist “Die Strömung“.

      

In Schweden sind Cilla und Rolf Börjlind bekannte Autoren, unter anderem auch von Drehbücher und Fernsehkrimis.


Fazit:

Ein Schwedenkrimi, der für meinen Geschmack zu viel in Rumänien gespielt hat. Die Spannung hat etwas gefehlt, dafür hat mir die Thematik und das ganze Konstrukt der Geschichte sehr gut gefallen! Da es viele Charaktere gab, hatten einzelne vielversprechende Personen leider zu wenig Platz, richtig dargestellt zu werden. Mein Gefühl ist neutral wenn ich an das Buch denke – dennoch würde ich es ohne Bedenken an Krimi-Fans weiterempfehlen!

 

Vielen Dank an Vorablesen und den Randomhouse / btb Verlag für mein Exemplar von “Schlaflied”.

             

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