[Rezension] Weil wir Flügel haben von Vanessa Diffenbaugh

Veröffentlicht: 19. März 2019 von Juliane

Weil wir Flügel haben
Vanessa Diffenbaugh
Karin Dufner
Familiengeschichte
Blanvalet
Januar 2019
Broschiertes Taschenbuch
415
We never asked for Wings
… den Verlag!

Die 33-jährige Letty reagiert panisch als ihre Eltern urplötzlich zurück in ihr Heimatland Mexiko ziehen. Sie lassen sie allein zurück in den USA mit ihren Kindern, um dessen Erziehung sich bis zum Zeitpunkt Lettys Mutter gekümmert hat. Denn obwohl sie schon seit 15 Jahren Mutter ist, fühlt sich Letty alles andere als bereit für diese Aufgabe. Doch wird sie in die Mutterrolle wachsen können?

Meine Meinung:

Schon ihr Debutroman „Die verborgene Sprache der Blumen“ begeisterte mich sehr. Nun erschein in dem Blanvalet Verlag Vanessa Diffenbaughs neuster Roman „Weil wir Flügel haben“ und NATÜRLICH musste ich es lesen. Der Roman ist total anders als ihr Debut – und auch nicht ganz so stark – doch eins bleibt: Ihre wundervolle Art zu schreiben!

Die Geschichte an sich ist schon sehr anders und eigen. Eine Mutter, die ihre Kinder nicht annimmt, bzw. nicht ihre Mutterrolle annimmt. Sowas ist keine übliche Geschichte, eher ein Tabuthema. Und zunächst konnte ich mit Letty auch gar nicht warm werden. Wie konnte sie ihre Kinder so behandeln? Ich hatte regelrecht eine Abneigung gegen sie und las ihre Kapitel mit recht wenigem Interesse. Denn auch aus der Sicht ihres Sohnes Alex wird die Geschichte erzählt. Er ist gerade ein Teenie, hat seine eigenen Probleme – und dann noch eine Mutter wie Letty.

Allerdings entwickelt sich Letty im Laufe der Geschichte – was anzunehmen war und mich doch beeindruckte. Ich wurde mit ihr warm, konnte ihre Gedanken und Gefühle mehr und mehr nachvollziehen. Am Anfang ist sie selbst noch ein Teenie im Inneren, hat sie gelernt für sich und ihre Kinder einzustehen. Das ändert sich. Und gleichzeitig schwingt noch ein Thema mit: Selbstwert. Wieviel ist ein Mensch wert und durch was wird er wertvoll?

Zwischen den Zeilen in der Roman fast schon poetisch. Die Beziehungen, die entstehen sind so speziell und zart. Ob es Wes ist, über den ich gern mehr gelesen hätte, oder Lettys Kollege, der mit einem Mal eine viel größere Rolle spielte, als ich erwartet hatte. Und nicht nur darum geht es. Auch werden politische Themen besprochen. Die Situation von Ausländern in den USA. Die ungleichen Chancen von Jugendlichen in unterschiedenen Vierteln der Stadt. Es ist erstaunlich, wie viele Themen Vanessa Diffenbaugh ist den Roman gepackt hat.

Gleichzeitig fühlt sich der Roman trotz seiner schweren Themen sehr leicht an. Er fließt vor sich hin, man ist Teil des Erzählflusses und kann so wunderbar in die Geschichte von Letty und Alex eintauchen. Es ist berührend, tragisch, romantisch und einfach schön. Eine besondere und eigene Geschichte über eine kleine Familie, die zu sich findet und für ihre Ideale einsteht. Sie überwinden Hindernisse und scheitern an Hindernissen. Dennoch lernen sie, dass sie es versuchen müssen. In sich hören und ihrer inneren Stimme vertrauen müssen.

Vanessa Diffenbaugh hat mich wieder verzaubert und ich hoffe, sie schreibt noch hunderte weitere Romane, die mich alle so begeistern können!


Fazit:

Vanessa Diffenbaugh zeigt wieder ihr Talent, ihren Figuren Leben und so viel Authentizität einzuhauchen. Lettys Geschichte berührte mich wirklich sehr. Aufrichtig, feinfühlig und nachdenklich – dieser Roman hat eine ganz besondere Atmosphäre, die mich in ihren Bann zog. Viel zu schnell war es vorbei, und ich hätte gern so viel mehr aus dem Leben der Familie gelesen.


Vielen Dank..

… an den Blanvalet Verlag und das Bloggerportal für mein Exemplar!


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