[Rezension] Das Orchideenhaus

Veröffentlicht: 3. Juli 2011 von Juliane

Dieser Artikel ist ein Import von Julianes Büchertruhe auf Blogspot.

Es wurde sich die größte Mühe gegeben die Inhalte so gut es geht zu übernehmen.

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Das Orchideenhaus Book Cover
Das Orchideenhaus
/
Lucinda Riley
Historisch, Familie, Drama, Liebe
539

Inhalt:

Die erfolgreiche Pianistin Julia kehrt nach einem traumatischen Ereignis zurück nach England in ihre Heimat Norfolk. Sie trifft auf Kit, den neuen Lord von Wharton Park. Ihre Großeltern waren Bedienstete von Kits Vorfahren, weshalb Julia früher selbst oft auf dem Anwesen war und Kit flüchtig kennt.
Kit entdeckt bei Umbauarbeiten ein altes Tagebuch von Julias verstorbenen Großvater. Er übergibt es Julia, die daraufhin ihre Großmutter Elsie nach der Vergangenheit fragt. Und Elsie erzählt von ihrer Zeit als Zofe der jungen Olivia, die einst auf Wharton Park gelebt hat. Im Laufe von Elsies Erzählungen kommen Geheimnisse ans Licht, von denen Julia sich nie träumen ließ und die gesamte Familiengeschichte auf den Kopf stellt.

 

Meine Meinung:

Es ist schwierig, meine ganzen Eindrücke zusammenzufassen. Der Beginn war klasse, ich dachte, ich bin wieder total in meinem Element und das Buch wird ein Hit. Aber dann kam der Mittelteil. Und dann kam – vorallem – das Ende. Leider (leider, leider, leider) hat die Autorin das Niveau vom Anfang nicht halten können. Wirklich schade!

Der Roman hat zwei miteinander verbundene Erzählstränge: Die Gegenwart und die Vergangenheit der 1940er Jahre. Die Gegenwart erzählt die Geschichte von Julia und Kit. Die Vergangeneheit handelt von Julias Großeltern und Kits Vorfahren.

Die Gegenwartsgeschichte war grauselig. Wieder muss ich sagen: Der Beginn war gut, die Mitte wurde schwächer und das Ende abstrus. Julia begann mich zu nerven und auch Kit hatte ein hohes Nervpotential. Aber gut, ich dachte mir, sollen sie sich finden, sollen sie die Liebe auf den ersten (zweiten) Blick haben, hautpsächlich geht es ja um das Familiengeheimnis der Vergangenheit.

Die Geschichte aus der Vergangenheit hat mir sehr gefallen.

Elsie (Julias Großmutter) hat vor dem Erzählen angedeutet, dass das Familiengeheimnis viele Menschen betrifft. Der Startschuss für mein Kopfkino. Was war damals passiert? Ich malte mir verschiedenste Szenarios aus. Von Kindertausch, bis zu hin zu einem Männertausch. Wer war mit wem verwandt? Wer ist wessen Nachfahre? Ich war auf alles vorbereitet. Mit der Zeit hat sich ein Verdacht besonders verstärkt und letztlich war es auch so. Aber mehr als ein Ahnen war es nicht, das hat die Autorin gut verpackt.

Die ganze Geschichte der Vergangenheit war um Klassen besser als die sehr konstruierte Geschichte der Gegenwart. Olivia spielt darin eine Hauptrolle. Sie ist für mich die Person, die es mit ihrer Geschichte wirklich geschafft hat, mit mitleiden zu lassen. Sie ist die tragische Sub-Hauptfigur. Ihre Liebe zu Harry habe ich ihr tatsächlich abgenommen, was bei Julias “Liebe” zu Kit nicht der Fall war…

Das Ende ist selbst für mein kitschliebendes Herz zu viel des Guten gewesen, ein wenig mehr Realität hätte dem gut getan. Es wurde alles (hier spreche ich nur von der Gegenwart) mehr als abstrus.


Hier baue ich einen Spoiler (!!!) ein. Bitte nur lesen, wenn ihr den Roman schon gelesen habt, sonst verdirbt es euch das gesamte Lesevergnügen. Wer lesen will, bitte die folgenden Zeilen markieren.

Weiter noch zu den Handlungen am Ende: Die Sache mit Xavier treibt die Absurdität auf die Spitze! Unglaublich! Plötzlich taucht er aus dem Totenreich auf und tut als wär alles super. Unrealisitsch! Und dann wird noch als Mörder und als schlechter Ehemann dargestellt. Das macht es Julia natürlich nur zu leicht, sich für Kit zu “entscheiden”. Was wäre, wenn es kein Alkohol gewesen wäre? Wär sie bei Xavier geblieben? Was für eine “wahre, echte” Liebe ist es dann zu Kit? Ich hätte Xavier sonst wohin gejagd, gleich nach seinem Auftauchen.

 

Der Epilog gefiel mir ebenfalls nicht: Jetzt hat Julia einen neuen Sohn. Ganz klasse. Hätte die Autorin ihr nicht ein Mädchen schenken können? Das hätte weniger den Beigeschmack von “Ersatz für Gabriel” gehabt.
Auch das Vermögen von Lidia und der Kauf des Anwesens ist für mich an den Haaren herbeigezogen gewesen. Unter normalen Umständen wäre Lidia damals gestorben. Jetzt hat sie plötzlich den reichen Mann gefunden? Naja!
SPOILER ENDE

Ein Wort noch zum Prolog: Er war das Highlight des Romans, ein schönes Märchen aus dem alten Siam um wahre Liebe und eine äußerst seltene Orchidee.
Doch was hat er mit der Geschichte zu tun? Nur kurz wird nochmal darauf eingegangen. Schade, mir hätte es sehr gefallen, wenn eine Verbindung zu Julia oder zu Elsie entstanden wäre.

 

Fazit:

Insgesamt kann ich also sagen, dass ich das Buch mit Einschränkung weiterempfehlen würde. Man wird in eine Vergangenheit enführt, die das alte England und das alte Thailand aufleben lassen. Die Verhältnisse von damals sind toll geschildert und man möchte noch mehr davon haben.
Die Geschichte aus der Gegenwart hätte die Autorin lieber flacher halten sollen. Die gewollte Spannung am Ende verwandelte sich eher in eine absurde Klischee-Aneinanderreihung, die unreal und unauthentisch schien.

Ich gebe dem Buch 4 Herzen. Die 4 Herzen hat das Buch gerade so bekommen. Der Anfang hat mir sehr gut gefallen und auch die Rückblenden waren sehr interessant und packend. Aber das Ende und die schwache und unglaubhafte Geschichte von Julia hat meine Meinung geändert. Für den Beginn und die dramatische Geschichte um Olivia gibt 5 Herzen, für Julias Geschichte und das Ende 3 Herzen.

Wer an sich diese Art von Geschichten mag, dem rate ich lieber die Romane von Kate Morton, Diane Setterfield oder Susanna Kearsley.

 

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