[Jane Austen & ich] Was die Romane für mich besonders macht

Veröffentlicht: 30. März 2018 von Juliane


“Jane Austen & ich” ist eine Reihe auf I AM JANE, in der ich verschiedene Seiten meiner Liebe zu Jane Austen zeige. Ob ihre Romane, Filme, Merch oder die Schauplätze in England (2016 war ich auf Jane Austen Tour quer durch England!) – hier gibts alles rund um Austen!


Warum mag ich die Romane

In diesem Beitrag geht es um Jane Austens sechs Romane und sie für mich persönlich so liebenswert machen. Ich beziehe mich zunächst auf ihre sechs vollendeten Romane. Alle haben ein ähnliches Grundthema, nämlich die Gesellschaft zu Jane Austens Zeit und die Liebe. Trotzdem gibt es kleine Feinheiten, die jeden Roman für sich so einzigartig machen.

Achtung, ich werde hier definitiv spoilern. Also wer die Romane nicht kennt und nicht wissen will, wie sie enden, sollte lieber erstmal zu den Büchern greifen und sie lesen 🙂

Hier sind sie nun meine Punkte, die Jane Austens Romane für mich besonders machen.


Zwei Liebesgeschichten in einem
Elinor und Marianne könnten unterschiedlicher nicht sein und beide erleben so unterschiedliche Arten von Liebe. Stürmisch und zurückhaltend, rational und unvernünftig, ungeduldig und ausdauernd. Eine tolle Vielfalt und Abwechslung – man bekommt in einem Roman so viel geboten.

Immer wieder neu entdecken
Mit circa 15 Jahren habe ich den Roman das erste Mal gelesen und habe mich total mit Marianne identifiziert. Einige Jahre später habe ich den Roman wieder gelesen und ich fühlte auf einmal viel mehr mit Elinor verbunden. Der Roman lässt sich immer wieder neu lesen, man entdeckt neue Aspekte – je nach Lebenslage, in der man sich befindet.

Spiel mit den Gegensätzen
Der Titel sagt es schon – Gegensätze. Hier wird viel mit Vergleichen und Gegensätzen gespielt. Nicht nur die beiden Schwestern unterscheiden sich dramatisch in ihrer Art. Auch ein Colonel Brandon, ein Willoughby und ein Edward Ferras. Es regt zum Nachdenken an und zeigt auch auf, dass nicht ein Extrem das Richtige ist. Die Mitte macht es, die Gegensätze auszubalancieren. Das sieht man sehr schön bei Marianne und Colonel Brandon.


Familie Bennet
Die Bennets sind einfach unvergleichlich. Nicht nur die Schwestern, die jede für sich so speziell ist – auch Mutter und Vater sind einzigartig. Für mich sind beide Herzstück des Romans, auch wenn immer nur von Lizzy und Darcy gesprochen wird. Beide sind harmonisch, sie mit ihren armen Nerven und er mit seiner Ruhe. Sie treibt ihr Kinder voran (passend zur Gesellschaft), während er ihre Individualität fördert und gerade bei Lizzy für ihren eigenen Kopf sorgt.

Loyalität und Ausdauer (aka eine Lobeshymne auf Darcy)
Darcy und Bingley sind enge Freunde und sich gegenüber sehr loyal. Beide unterstützen sich und retten vor unvernünftigen Ehen. Auch wenn das zu einem Zerwürfnis zwischen Lizzy und Darcy führt, finde ich Darcys Taten beeindruckend. Er behält einen klaren Blick, steht zu seiner Meinung und will das beste für seinen Freund. Gleichzeitig beweist er Ausdauer. Er liebt Lizzy vermutlich schon Beginn an. Dennoch hält er sich zurück, auch von der Zurückweisung lässt er sich nicht unterkriegen und – auf Gefahr hin, ein zweites Mal eine Ablehnung zu bekommen – bittet er sogar ein zweites Mal um ihre Hand.

Persönliche Entwicklung
Lizzy ist gerade mal 20 Jahre alt, hat aber einen klaren Kopf, eine eigene Meinung und hält sich kaum zurück, diese laut kund zu tun. Hat sie immer Recht? Vermutlich nicht. Sie urteilt. Sie ist stolz. Sie ist eigentlich noch recht kindlich. Doch während des Romans entwickelt sich ihr Charakter. Sie blickt auf ihre Schwester Lydia nieder, weil sie sich den Männern an den Hals wirft – doch bei Wickham geht es ihr ähnlich. Doch sie lernt aus ihren Fehlern. Lernt auch, dass man sich beide Seiten der Medaille anhören muss, bevor man urteilt (Darcy). Sie hat Glück. Als sie ihre Lehren gezogen hat, bekommt sie eine zweite Chance. (Und ja, noch mehr Charaktere entwickeln sich in dem Roman (Blick zu Darcy)).

Skurrile Charaktere
Ja, der Roman lebt mit seinen skurrilen Charakteren. Sie sind überall in Austens Romanen zu finden, doch hier sticht ein Mr. Collins und eine Lady Catherine besonders hervor. Sie bringen den Humor in den Roman, zeigen, dass man sich auch im 19. Jahrhundert seine Familie nicht aussuchen konnte 😉


Leidenschaft
Diese Geschichte von Jane Austen ist am unschicklichsten. Denn wir haben die Crawfords an Bord, die das Leben von Fanny und Edmund ganz schön durcheinander werfen. Sie sind sexy, verführerisch und betrügerisch. Allerdings fand ich genau diesen Part ganz erfrischend. Fanny ist ziemlich bieder und auch Edmund glänzt eher durch Anständigkeit. Dass wir hier die durchtreibenden Seiten der damaligen Zeit sehen, ist eine schöne Abwechslung. Natürlich besagt die Moral der Geschicht, dass das nicht der richtige Weg ist und dass nur die gebührliche Liebe glücklich werden kann.

Geduld und Bescheidenheit
Fannys Charakter ist sehr geduldig. Sie liebt Edmund schon seit ihrer Kindheit, doch sie unternimmt nichts. Sie ist bescheiden, genießt seine Anwesenheit und ist achtsam dem Gegenüber dem was sie hat. Sie hält sich an die Regeln und ist damit oft der Verlierer. Umso glücklicher ist das Ende, an dem sie endlich das bekommt, was sie verdient: Ein zufriedenes und von Liebe erfülltes Leben.


Matchmaking – Verkuppeln der Extraklasse
Mit Sicherheit ist Emma einer der unterhaltsamsten Romane von Jane Austen. Emma verkuppelt wo sie nur kann und sieht darin ihre Bestimmung. Es ist herrlich! Ich mag wie sie ihre Gouvernante glücklich “vermittelt” und auch Harriet versucht, einen passenden Partner zu vermitteln. Und dass es nicht immer so einfach ist, wie man denkt. Denn Gefühle lassen sich nicht berechnen (auch damals nicht).

Keine Suche nach der Liebe
Ich mag Austens Romane auch, weil sie Liebesgeschichten beinhalten. Und hier mag ich dennoch, dass Emma von Beginn an sagt, dass sie nicht heiraten möchte. Die Ehe ist nicht das Ziel von ihr. Sie ist unabhängig und hat ein eigenes Vermögen. Dennoch wird sie von der Liebe überrascht, merkt selbst nicht einmal dass sie verliebt ist. Es ist so wunderbar anzusehen, wie sie ihren kalkulierenden Blick auf die Liebe revidiert und ihre Gefühle zulässt.

Geheime Liebe
Immer wieder gibt es geheime Verbindungen in Austens Romanen, und selten gehen sie gut aus – sie werden auf jeden Fall immer verurteilt. Doch hier mag ich genau die geheime Verlobung zwischen Jane Fairfax und Frank Churchill. Ich kann gar nicht sagen warum. Denn immerhin leidet Emma unter dieser Verbindung (Jane Fairfax ist ihr rotes Tuch).


Grusel und Gothic
Cathy hat eine Vorliebe für Schauerromane. Ich finde es so klasse, dass es in diesem Roman um Romane geht. Es wird analysiert, was einen Roman ausmacht und ein bisschen satirisch wird es auch behandelt. Denn die anderen Figuren nehmen Cathy wegen ihrem Hobby nicht gerade ernst. Cathy Fantasie ist blühend, sie sieht überall die Geschichten wahr werden und verdächtig hinter jeder Situation eine gruselige Tat.

Eine junge Liebe
Die Liebesgeschichte hier schien mir am “einfachsten”. Cathy und Tilney sind von Beginn an in einander verliebt und so süß. Umstände bringen sie auseinander und unterunsichern sie. Doch letztlich ist (beim Leser) nie ein Zweifel, dass es ein Happy End gibt.


Zweite Chance 
Die wahre Liebe gibt es nicht nur in diesem Austen Roman, doch fühlt sich sich für mich am intensivsten an. Wir sind so nah an Anne dann, an ihrer Verzweiflung und Zuneigung zu Wentworth. Ihrer extrem großen Reue, dass sie damals den Fehler gemacht hat, sich überreden zu lassen. Ich litt mit ihr und mein Herz raste beim Lesen. Umso schöner ist das langsame Annähern der beiden, das herantasten an die Gefühle des Gegenüber. Wir haben hier den Beweis, dass es in ihrer Jugend eine wirklich empfundene Liebe war, denn sie dauert noch immer an. Sie bekommen die zweite Chance und das macht den Roman so herzerwärmend schön.

Der Schauplatz – die hohe See
Captain Wentworth ist auf hoher See unterwegs. Hier geht es um Schiffe und um den Stand eines Seemanns. Gleichzeitig spielt der Roman auch in der Hafenstadt Lyme Regis an der Jurassic Coast. Hier ist das Wetter wild, die Wellen schlagen hoch und der Wind bläst stark. Ich finde das so passend zu der Geschichte. Es gibt dem Roman Charakter und unterstreicht die Präsenz von Captain Wentworth.



Meine Auflistung ist etwas länger als geplant. Natürlich gibt es noch ungefähr weitere 1000 Gründe, Austens Romane zu lesen. Mich würde interessieren, was die Romane für euch einzigartig macht und welcher es euch besonders angetan hat.

(Vielleicht habt ihr auch herausgefunden, welche von Austens Romane meine Favoriten sind?)

12 Kommentare

  • archivderfantasie 30. März 2018 at 16:24

    Hallo Juliane,

    dieser Beitrag sieht so toll aus und ich wollte mich schon immer mit Jane Austen beschäftigen. Da ich aber tatsächlich noch kein Buch von ihr gelesen habe habe ich ihn schweren Herzens nicht gelesen ):
    Welches ihrer Bücher sollte ich deiner Meinung nach zuerst lesen?

    Liebe Grüße

    Laura

    Reply
    • Juliane 2. April 2018 at 17:36

      Liebe Laura,

      vielen Dank! 🙂

      Ich denke “Stolz und Vorurteil” ist ein guter Start – wobei ich vielleicht etwas voreingenommen bin, weil es mein Lieblingsbuch ist 😉

      Viel Spaß beim Entdecken von Austens Romanen!

      Liebe Grüße
      Juliane

      Reply
      • archivderfantasie 2. April 2018 at 20:14

        Hallo Juliane,

        danke, dann werde ich damit starten 😊

        Liebe Grüße

        Laura

        Reply
  • Buchstabenträumerin 30. März 2018 at 20:38

    Liebe Juliane,

    haaaaach, was für ein schöner Beitrag <3
    Ich konnte nur immer wieder bestätigend nicken, denn ich empfinde zu jedem Buch eine ähnliche – ja, Zuneigung 😉 Meine liebsten sind "Überredung" und "Emma". Wobei, nein, eingrenzen kann ich es nicht. "Verstand und Gefühl", "Mansfield Park" und "Stolz und Vorurteil" sind ebenso Herzensbücher 😀 Einzig "Northanger Abbey" mochte ich gar nicht. Aber es ist auch schon Jahre her, dass ich es gelesen hatte. Vielleicht sollte ich dem Buch noch eine zweite Chance geben 🙂

    Liebe Grüße,
    Anna

    Reply
    • Juliane 2. April 2018 at 17:37

      Liebe Anna,

      haha, ja ähnlich gehts mir ja auch 😉 ich habe mit Mansfield Park so meine Probleme – vielleicht sollte ich es nach all der Zeit auch nochmal lesen 🙂

      Liebe Grüße und einen schönen Abend
      Juliane

      Reply
  • idasbookshelf 31. März 2018 at 17:29

    Liebe Juliane,

    danke für diesen schönen Einblick! Ich muss sagen, ich bin selber kein großer Austen-Fan, aber ich finde es immer wieder spannend, was andere Leser an Jane Austens Werken so fasziniert. 🙂 Und dein Beitrag ist so liebevoll gemacht, da spielt man glatt mit dem Gedanken, der guten Jane nochmal eine Chance zu geben 😉

    Liebste Grüße,
    Ida

    Reply
    • Juliane 2. April 2018 at 17:39

      Liebe Ida,

      vielen Dank ♥️

      Also mich würde es freuen, wenn du Austen nochmal eine Chance gibst 😉 Man muss natürlich die Zeit und die Art der Geschichten mögen. Hast du schon einen Roman von ihr gelesen? Oder eine Verfilmung gesehen?

      Liebe Grüße
      Juliane

      Reply
      • idasbookshelf 3. April 2018 at 15:55

        Liebe Juliane,

        Ich habe “Stolz und Vorurteil” und “Emma” von Jane Austen gelesen. Ist aber auch schon ein paar Jährchen her. Ich schätze, ich bin einfach ein zu ungeduldiger Mensch für ihren Erzählstil – die Geschichten an sich sind nämlich wirklich schön! Die Verfilmungen von “Stolz und Vorurteil”, “Sinn und Sinnlichkeit” könnte ich mir immer und immer wieder ansehen, weil sie so schön sind 🙂 Aber wie gesagt, vielleicht habe ich irgendwann einen wirklich guten Tag voller Geduld, an dem ich mir eines ihrer Bücher vornehme 🙂 Ganz abgeschrieben habe ich sie noch nicht… 😉

        Liebste Grüße,
        Ida

        Reply
        • Juliane 3. April 2018 at 17:46

          Ach, wenn dir die Geschichten in Buchform nicht gefallen, dann wären doch echt die Filme was 🙂 Es gibt von allen Romane tolle Verfilmungen! Oder hast du vielleicht schon “Geliebte Jane” mit Anne Hathaway gesehen? So toll! https://www.youtube.com/watch?v=mXN0-vqK7FY

          Liebe Grüße ♥️

          Reply
          • idasbookshelf 4. April 2018 at 18:59

            Ah, da ist mir “Geliebte Jane” doch tatsächlich entfallen! :-O Den habe ich damals in Endlosschleife gesehen und jedesmal fürchterlich geweint 😉
            Ab jetzt also vielleicht doch lieber nur in als Verfilmung..? 😀 <3

  • Bella's Wonderworld 4. April 2018 at 16:26

    Liebe Juliane,

    das ist einfach ein toller Beitrag bei dem ich nur zustimmen kann!

    Mir fällt es echt schwer einen Lieblignsroman von Austen zu bennen da sie alle etwas haben das mit fasziniert und begeistert. Trotzdem ist mein absoluter Liebling “Stolz und Vorurteil”! Das Pärchen Lizzy & Darcy haben es mir einfach angetan und jedes Mal wenn ich die Geschichte lese oder als Film sehe fiebere ich erneut mit den beiden mit.

    Ein Punkt der mir an Austens Büchern besonders gefällt ist die überspitzte Art und Weise wie sie ihren Figuren Leben einhaucht. Einfach grandios! Ich finde es wirklich sehr Schade, dass ihr Briefroman “Lady Susan” nicht etwas ausführlicher ist. Ich habe die Scharfzüngigkeit der Protagonistin einfach nur gefeiert 🙂

    Liebe Grüße
    Bella

    Reply
    • Juliane 14. April 2018 at 23:17

      Liebe Bella,

      danke! ♥️

      Ja, irgendwie fühlt man sich bei seinem Lieblingsbuch (-film) einfach zuhause, nicht wahr? Mir geht es mit Lizzy und Darcy da genauso 🙂

      Ich mag Austens Art auch so sehr! Es ist wirklich schade, dass wir generell nicht mehr Werke von ihr haben.. wäre sie älter geworden, hätten sie bestimmt noch viele weitere klasse Geschichten geschrieben. (Lady Susan hab ich noch gar nicht gelesen 😉 Muss ich noch nachholen 🙂 )

      Liebe Grüße
      Juliane

      Reply

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