[Rezension] Die amerikanische Nacht von Marisha Pessl

Veröffentlicht: 24. Juli 2018 von Juliane

Die amerikanische Nacht Book Cover
Die amerikanische Nacht
Marisha Pessl
Gegenwartsliteratur
Fischer Verlag
September 2014
Taschenbuch
800
Tobias Schnettler
Night Film

Ashley ist mit ihren gerade 24 Jahren in den Tod gestürzt. In einer alten, verlassenen Lagerhalle wird sie in einem Fahrstuhlschacht gefunden. Ist es Selbstmord? Wurde sie umgebracht?

Scott McGrath ist investigativer Journalist und war schon vor langer Zeit in den Bann von Stanislas Cordova gezogen - dem mysteriösen Filmemacher, von dem keine Fotos zu existieren scheinen und dessen Filme nur im Darknet zu finden sind.

Als er hört, dass dass Ashley, die Tochter von Cordova, tot ist wird er hellhörig und beginnt zu ermitteln. Was steckt dahinter und was hat ihr sagenumwobener Vater damit zu tun?

 

Meine Meinung:

“Die amerikanische Nacht” liegt schon seit längerer Zeit auf meinem SUB. Nachdem ich damals „Die alltägliche Physik des Unglücks“ so sehr gemocht hatte, hatte ich mir den zweiten Roman von Marisha Pessl direkt gekauft. Tja. Und dann lag er auf dem SUB. Nun habe ich gemeinsam mit Elli den neuen (dritten) Roman von Marisha Pessl gelesen  und er hat uns so gut gefallen, dass wir direkt beschlossen „Die amerikanische Nacht“ zu lesen. Auch Jemima hatte ihn auf dem SUB und so machten wir uns zu dritt daran.

Und wir wussten nicht, worauf wir uns einließen. Dieses Buch ist wahnsinnig gut und es fällt mir echt schwer, meine Meinung dazu in Worte zu fassen. Ich wusste recht wenig über den Roman. Der Klappentext ist recht wage und man vermutet einen Krimi. Das ist es auch – nur so extrem vielschichtig. Es steckt einfach so viel in dem Buch und die knapp 800 Seiten verfliegen nur so.

Der Aufbau der ganzen Geschichte ist grandios! Ich will nicht zu viel verraten, denn für das Leseerlebnis ist es so wichtig, dass man ahnungslos ist und die Geschehnisse einfach auf sich zukommen lässt. Im Nachhinein hatte ich das Gefühl, dass Marisha Pessl die Story regelrecht komponiert hat. Der Beginn ist so fließend und langsam, bis es sich mehr und mehr steigert – bis zu dem großen Finale.

Als Leserin wurde ich in einen Sog gezogen und konnte mich nicht befreien. Das Buch verfolgte mich und ließ mich erst los, als ich die Geschichte beendet hatte. Es fühlte sich so real an. Die ganzen Sagen um Cordova – die Schlüsselfigur des Romans – faszinierten mich ähnlich wie seine Fans. Es gab einige Szenen, die mich dort besonders packten. In einem Teil des Buches fallen die Kapitel weg und man ist in einem „eigenen Bereich“. Und wow. Das hat mich umgehauen.

Man bekommt einfach so viel geboten. Mystik, Magie, Krimi, Spannung, das Verschwimmen von Realität und Fantasie. All das passiert auf diesen 800 Seiten. Gespickt ist die Geschichte mit wunderbaren Ausschnitten aus Zeitungen und Webseiten, die so detailreich kreiert wurden sind. Das bietet ein so umfangreiches Leseerlebnis!

Die Handlungsorte spielen eine große Rolle bei der Atmosphäre des Romans. New York (die guten und die schlechten Seiten), The Peak (dieses sagenumwobende Anwesen) und auch einzelne Szenen in einer geschlossenen Anstalt.  Es fühlte sich an wie ein unterschwelliger Gruselroman, eine unbewusste Bedrohung schwebte über allem. Wiederhole ich mich, wenn ich sage „WOW!“?

Wenn ich einen Kritikpunkt nennen müsste, dann dass Hopper mir nicht so ganz geheuer war. Richtig nahbar war er nicht – wobei das auch durchaus als Stilmittel gemeint sein könnte. Wiederrum mochte ich Nora sehr und mochte ihre Art, mit den Dingen umzugehen. Aus den Augen vom Ich-Erzähler Scott erlebt man die Geschichte und war ihm auch entsprechend nah und fühlte gut seine Verwirrung.

Einige Stimmen sagen, dass „Die amerikanische Nacht“ langweilig und zäh ist. Das konnte ich zu keiner Seite unterschreiben. Sobald etwas Ruhe einkehrte, eröffnete sich der nächste Wendepunkt.


Fazit:

Marisha Pessl bietet mit ihrem zweiten Roman „Eine amerikanische Nacht“ ein intensives Leseerlebnis, welches nichts für zarte Gemüter ist. Schleichend baut sich eine unaufhaltbare Spannung auf, die sich in einem unerwarteten Ende erst auflöste. Die Story, dieser ganze Roman, ist ein Highlight! Ich bin begeistert und freue mich, dass dieser Roman nun zu meinen Lieblingsbüchern zählt.


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9 Kommentare

  • Tina 24. Juli 2018 at 20:28

    Hey Jane,

    oh, das klingt nach einem vielschichtigen, geheimnisvollen Buch.
    Wirklich tolle Rezension ohne dass du viel verrätst.
    Schön finde ich, dass du es gemeinsam mit jemanden gelesen hast. Sowas mag ich. Der rege Austausch lässt die Geschichte noch einmal anders wirken.

    Liebe Grüße Tina

    Reply
    • Juliane 24. Juli 2018 at 21:03

      Danke, Tina!

      Und es fiel mir echt schwer, nicht zu viel zu verraten. Aber es gehört einfach zur Geschichte dazu, jedes Details selbst zu erkunden 🙂

      Ja, es war toll, das Buch gemeinsam zu lesen! Gerade wenn es zu neuen Enthüllungen kam 😉

      Reply
      • Tina 25. Juli 2018 at 7:24

        Mir fällt gerade auf, dass ich “Hallo Jane” geschrieben habe *Hand auf die Stirn klatsch*
        Entschuldige Juliane.

        Reply
        • Juliane 25. Juli 2018 at 20:33

          Kein Problem 🙂 Mein Blogname ist ja auch sehr irreführend 😉

          Reply
  • Neri 24. Juli 2018 at 20:36

    Oh, ich muss das Buch unbedingt lesen. Super Rezension!

    Neri, Leselaunen

    Reply
    • Juliane 24. Juli 2018 at 21:04

      Danke! Ich kann das Buch echt nur empfehlen ♥️😍

      Reply
  • Tina 24. Juli 2018 at 20:52

    Oha, das Buch habe ich im Original in der Buchzelle gefunden und seitdem subbt es… Calamity Physics Hab ich vor Ewigkeiten angefangen, es hat mich aber nicht richtig abgeholt … Vielleicht muss ich Pessl noch eine Chance geben!

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    • Juliane 24. Juli 2018 at 21:06

      So ein Schätzchen lag in einem Bücherschrank? Oh, ich muss auch öfters mal stöbern gehen 😉 Ich glaube, Marisha Pessl mag man oder man mag sie nicht. Die Rezensionen im Internet sind auch seehehr unterschiedlich. Entweder extrem begeistert – oder eben nicht 😉

      Vielleicht gefällt die “Die amerikanische Nacht” von der Thematik her besser?

      Reply
  • Nicci Trallafitti 27. Juli 2018 at 0:25

    Hey!
    Wow, und schon wieder steckst du mich total an mit deiner Begeisterung 🙂
    Ich muss das Buch scheinbar bald kaufen, und am besten auch das andere (oder die anderen) Titel von ihr..
    Der Mix, den du da so beschrieben hast, und verschwimmende Realität und Fantasie reizt mich ja sehr..

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Reply

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