[Rezension] Die Sache mit der Bratwurst von Lamya Kaddor

Veröffentlicht: 26. April 2018 von Juliane

Die Sache mit der Bratwurst Book Cover
Die Sache mit der Bratwurst
Lamya Kaddor
Biografie
Piper Verlag
März 2018
eBook
256 Seiten (Printversion)
Netgalley und den Verlag

Lamya Kaddor ist eine bekannte Islamwissenschaftlerin, die in ganz Deutschland unterwegs ist um liberalen Muslimen eine Stimme zugeben. In diesem Buch erzählt sie aus ihrem Leben. Wie ihr Vater aus Syrien nach Deutschland ausgewandert ist - und obwohl sie in Deutschland geboren wurde, sie immer als "die Ausländerin" gesehen wurde.

Wie ergeht es einer Muslimin im deutschen Alltag? Sie berichtet von verschiedensten Ereignisse aus ihrer Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenleben.

 

Meine Meinung:

Lasst euch nicht von dem “reißerischen” Titel täuschen. Dieses Buch ist kein komödiantisches Buch. Lamya Kaddor berichtet aus ihrem Leben als Deutsche mit syrischen Wurzeln, die muslimischen Glaubens ist.

Ich hatte zu dieser Biografie gegriffen, weil mich die Thematik angesprochen hatte. In den Medien hört man so viel, es gibt so viele Informationen – über Syrien, über den Islam, über das Leben der Flüchtlinge in Deutschland. Doch es ist immer der richtige Weg, sich die Geschichte einer betroffenen Person anzuhören (bzw. zu lesen).

Lamya Kaddor bietet einen guten Einblick in dieses Leben. Sie ist kein Flüchtling. Sie ist Deutsche. Dennoch kommt es durch ihren Glauben und die Herkunft ihrer Eltern immer wieder zu Situationen und Ereignissen. Hier gibt es so einige Eye Opener. Wie starr doch Deutschland ist, das Schulsystem und oft leider auch die deutschen Bewohner dieses Landes.

Wie wenig Toleranz es gibt. Ja, Lamya Kaddor ist in den 80ern aufgewachsen und heute hat sich die “Aufklärung” und Toleranz verbessert. ABER es gibt noch viel zu tun. Gerade in den Köpfen von so vielen Menschen. Extremismus, der IS, all das macht es für Muslime nicht leichter. Es gibt so viele Vorurteile – die meisten stammen von Leuten, die keine Ahnung haben. Oder ihren Glauben über alles stellen.

Zurück zum Buch. Ich mochte den Aufbau, den Erzählstil. Lamya Kaddor berichtet sehr ruhig und fließend. Wie sie in der Schule in den Förderunterricht (zum Deutschlernen) gesteckt wurde, weil es keine Alternative zum christlichen Religionsunterricht gab – obwohl ihre Muttersprache Deutsch ist. Das ist so abstrus! Und solche Situationen gab es in ihrem Leben zu hauf.

Ich mochte die Anekdote über ihre deutsche Oma, oder ihren ersten Kuss. Wie Basketball eine Zeit lang ihr Leben beherrschte oder wie sie zwei Jobs gleichzeitig neben der Uni meisterte. Ihre Erklärung warum sie kein Kopftuch trägt und wie sie so oft Diskussionen dazu führt.

Doch am meisten beeindruckt mich ihre Stärke und ihr Durchhalten. Ihren Einsatz für die Aufklärung. Ihre Sicht der Dinge. Sie ist so weltoffen, so tolerant und erfährt genau das Gegenteil jeden Tag. Damit zurecht zukommen und nicht aufzugeben – das ist das, was moderne Helden ausmacht.

Es ging mir nahe, als sie schildert, dass sie Morddrohungen bekommt, dass sie eine Zeit lang ihren Job nicht ausüben konnte, weil ignorante Menschen (meine Wortwahl) nicht einfach mal ihre Klappe halten können. Genau diesen Leuten gönne ich es, dass sie selbst mal in diese Situation geraten, dass ihr Glaube durch ein Fehlverhalten einzelner Menschen ins falsche Licht gerückt wird. Dass ihnen mit Ablehnung entgegengetreten wird, auch wenn sie selbst einfach nur in Ruhe leben möchten.

Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen! Lamya Kaddor weiß wovon sie spricht. Sie klärt auf und berichtet von einem Alltag, der sich in vielen Dingen auch nicht so sehr von dem eigenen unterscheiden mag. Sie rückt den Islam ins richtige Licht. Zeigt auf wie blödsinnig die Engstirnigkeit einiger Menschen sein kann.

Sie schließt auch den Kreis zu der heutigen Situation. Dem Krieg in Syrien. Die Opfer des Krieges, die Syrier, die flüchten müssen. Wie ihre Familie, die immer noch Verwandte in Syrien hat, auch von diesem Krieg betroffen sind. Wie es jeden treffen kann.

Diese Biografie schafft Verständnis, Aufklärung und Sympathie. Absolut lesenswert!


Fazit:

Der biografische Roman von Lamya Kaddor macht mich emotional. Ich möchte aufstehen und das Buch auf der Straße verteilen. Intoleranz ist leider immer noch der Alltag in Deutschland und Weltoffenheit muss weiter gepredigt werden. Die Autorin gibt einen Einblick in ihr Leben, dass meine Sicht auf den Islam und den muslimischen Glauben erweitert und aufgeklärt hat.


Mehr Informationen über Lamya Kaddor findet ihr auf ihrer Webseite. Vielen Dank an Netgalley und den Piper Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! Hier möchte ich betonen, dass diese Rezension 100% meiner Meinung entspricht und nicht dadurch beeinflusst wurde, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt.

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