[Rezension] Jane von Aline Brosh McKenna

Veröffentlicht: 11. Februar 2018 von Juliane

Jane Book Cover
Jane
Aline McKenna & Ramon Perez
Archia
September 2017
Hardcover
240 Seiten

Als Jane noch ein Kind war starben ihre Eltern auf hoher See. Seitdem lebte sie bei ihrer Tante und ihren Cousins, die sie allerdings wie Luft behandelten.

Sobald es ihr möglich war, zieht sie nach New York um Kunst zu studieren. Da sie kein Geld hat, aber dringend welches braucht, nimmt sie den ersten Job an, der ihr angeboten wird:

Kindermädchen der kleinen Adele, deren Mutter ebenfalls verstorben ist und deren Vater Mr. Rochester meist dienstlich unterwegs ist. Doch das riesige Haus birgt Geheimnisse und auch Mr. Rochester zeigt Jane nicht sein wahren Gesicht.

Eine moderne Erzählung von "Jane Eyre" von Charlotte Bronte.

 

Meine Meinung:

Bevor ich irgendwas zu dem Comic sagen, muss ich erwähnen, dass ich ein großer Fan von “Jane Eyre” bin. Der Roman von Charlotte Bronte hat es mir angetan und gehört (neben Jane Austen Romanen) zu meinen Favoriten. Ich mag die Geschichte, ich liebe die Charaktere und ich kenne sie in und auswendig.

Jede Neuerzählung hat es da schwer. Ich habe sehr hohe Erwartungen. Gleichzeitig aber auch, dass es von anderen Klassikern bereits tolle moderne Adaptionen gibt (Bridget Jones, Clueless).

So, kommen wir zu dem Comic. Dank der lieben Johanna von Buchworte bin ich auf den Comic aufmerksam geworden und war schockverliebt. Das Cover! Die Zeichnungen! Und dann auch noch die Story von Jane Eyre!

Es dauerte nicht lang und der Comic zog bei mir ein. Dann stand er bei mir im Regal, weil ich ihn mir aufheben wollte. Als ich ihn dann endlich gelesen habe, ging alles ganz schnell. Ich habe den Comic innerhalb von 50 Minuten gelesen. What? Ja, 50 Minuten.

Ein Großteil der Geschichte wird hier allein von Bildern erzählt. Text gibt es recht wenig und sehr konzentriert. Was bei einem Comic ja nicht unbedingt verkehrt ist. Allerdings wurden für meinen Geschmack die falschen Dinge fokussiert dargestellt.

Achtung, es folgen nun Spoiler für Jane Eyre. Da es allerdings ein fast 200 Jahre alter Klassiker ist, gehe ich mal davon aus, dass die meisten die shocking Storyline bereits kennen 🙂

Zu Beginn sieht man Jane bei ihrer Tante. Jane Eyre wurde schlecht behandelt. Hier wird Jane ignoriert und fühlt sich allein. Die Dramatik, die grausamen Verhältnisse (ich sag nur: das rote Zimmer) werden hier nicht einmal angedeutet. Nicht nur die negativen Aspekte ihrer Kindheit werden ausgelassen, auch das tolle Verhältnis zu Mr. Rochester.

Hier ist es ein stinkreicher, sexy Mann, der einfach “busy” ist. Ziemlich eindeutig verliebt es sich schnell in Jane und plötzlich macht er jeden Schabernack mit. Von jetzt auf gleich. Gerade in einem Comic kann man doch mit Farben spielen und Veränderungen zeigen. In Jane Eyre lernt Mr. Rochester Jane über die Unterhaltungen kennen, er geht auf sie zu. Sie ist schüchtern.

Comic-Jane ist keine Jane Eyre. Sie ist selbstbewusst, extrovertiert und ehrgeizig. Das genaue Gegenteil von Charlotte Brontes Figur. Ihre Gefühle bleiben im Hintergrund. Sie ist ein Sonnenschein. Diese ganze düstere Atmosphäre von Jane Eyre findet sich in dem Comic nicht wieder.

Am Ende ist es dasselbe Spiel. Es gibt ein Feuer (uiii, eine Parallele), aber Jane ist dort die Heldin. Mr Rochester und sie sind wieder vereint, alles super. Wo bleibt hier der Akt der wahren, inneren Liebe? Mr. Rochester ist immer noch Mr. Sexy-Erfolgreich und nicht gezeichnet und demütig. Es findet keine Charakter-Entwicklung statt.

Und ja, Comics können nicht so viel erzählen wir ein Roman. Aber sie können zeigen. Ich habe schon Comics gelesen, die das besser darstellen konnten. Dann lieber noch ein paar Seiten mehr und die Geschichte richtig darstellen.

Wenn man sich den Comic differenziert von Jane Eyre ansieht, ist es natürlich alles nicht so dramatisch. Allerdings ist die Geschichte immer noch eine ziemliche 08/15 Aschenputtel-Geschichte. Positiv vorhaben kann ich allerdings die Zeichnungen. Ramon Perez hat einen tollen Stil und es gefällt mir sehr gut. Ich kann mir durchaus vorstellen, noch weitere Comics zu lesen, wo er die Zeichnungen beigesteuert hat.

Comic-Jane ist die zweite moderne Adaption von Jane Eyre, die ich gelesen habe. “Jane” von April Lindner war die erste modern Version und nunja, ich war ebenso enttäuscht. Also begebe ich mich weiter auf die Suche nach eine tollen modernen Erzählung oder bleibe eben doch beim Original.


Fazit:

Charlotte Brontes “Jane Eyre” ist und bleibt einer meiner Lieblingsbücher. Deshalb hatte es dieser Comic von Anfang an schwer. Und tatsächlich war die moderne Adaption ziemlich schwach. Es fehlten Schlüsselhandlungen aus der Originalgeschichte. Punkten konnte der Comic allerdings mit wunderschönen Zeichnungen!


Weitere Meinungen:

Rezension von Johanna auf Buchworte

 

3 Kommentare

  • Jill von Letterheart 12. Februar 2018 at 20:08

    Liebe Juliane,

    Eine wirklich schöne und ehrliche Rezension!
    Auch wenn ich über das Fazit ein bisschen traurig bin, war nämlich schon sehr gespannt auf deine Meinung 😀
    Allerdings muss ich gestehen, dass ich Jane Eyre immer noch nicht gelesen habe!?
    Das muss ich wirklich unbedingt nachholen…

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Reply
  • Nicci Trallafitti 14. Februar 2018 at 12:15

    Liebe Juliane,
    ich schließe mich in allen Punkten einfach Jill an 😀
    Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat, aber das hatte ich schon beim Lesen der ersten Sätze deiner Rezi befürchtet. Dass du hohe Erwartungen hattest kann ich gut nachvollziehen!
    Ich sollte auch endlich mal diese ganzen Bücher lesen, es wird mir immer peinlicher, haha.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Reply
  • booknapping.de 17. Februar 2018 at 9:40

    Und noch so ein toller Tipp, der es direkt in meine Wunschliste schafft. Mir gefällt es hier bei dir ?

    Liebe Grüße,
    Sandra

    Reply

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