[Rezension] Worauf wir hoffen von Fatima Farheen Mirza

Veröffentlicht: 17. April 2019 von Juliane

Worauf wir hoffen
Fatima Farheen Mirza
Sabine Hübner
Familiengeschichte
dtv Verlag
März 2019
Hardcover
477
A Place For Us
… den Verlag!

Es ist für Hadia und ihre Familie eine Überraschung als Amar bei ihrer Hochzeit auftaucht. Hadia hat ihn eingeladen, doch nach all der Zeit der Funkstille, hätte sie nicht gedacht, dass er wirklich kommen würde. Viel zu viel Zeit ist vergangen seit dem furchtbaren Streit zwischen Amar und seinem Vater, der die Familie auseinander brachte. Wie kam es dazu, wann begann es? Viele kleine Dinge führten dazu, dass die Familie im Zwiespalt zwischen Liebe, Glaube und Eifersucht lebte.

Meine Meinung:

Wie froh bin ich, dass der dtv Verlag diese wunderbare Geschichte in Deutschland auf den Markt gebracht hat. Schon in den USA ist sie ein Besteller und sehr beliebt. Und nachdem ich das Buch nun gelesen habe, kann ich sehr gut verstehen, warum das der Fall ist. Und dabei wirkt es auf den ersten Blick recht unscheinbar und der Klappentext ist nicht wirklich repräsentativ für die Geschichte. Auch fiel es mir sehr schwer, den Inhalt zusammenzufassen – denn eigentlich umfasst dieses Buch die Geschichte einer Familie in über mehr als 20 Jahren. Da passiert ganz viel und irgendwie auch nichts.

Die Eltern der Familie haben indische Wurzeln, während die Kinder allesamt in den USA geboren wurden. Sie leben gläubig als Muslime; die Religion ist ein aktiver Teil ihres Alltags. Als Christin finde ich es immer wieder total interessant, in die Bräuche anderer Religionen einen Einblick zu bekommen. Denn so verstehe ich mehr, kenne die Hintergründe. Und hier hat das Autorin wunderbar hinbekommen: Die Religion fühlte sich natürlich an, selbstverständlich geschehen Gebete und Feste, es wirkt nicht erklärend.

Während das Buch so still ist, passiert eigentlich ganz viel – was mir oft erst im Nachhinein bewusst wurde. So wie sich ein Schuhkauf als zukunftsweisende Schlüsselszene der Familie entpuppte. Es gibt sie fast nur – Situationen aus dem wahren Leben einer Familie. So berichtet die Autorin aus der Sicht von Hadia, Amar und der Mutter Laila. Später kommt auch noch der Vater zu Wort, was mir sehr gut gefiel. Gern hätte ich auch schon früher aus seiner Sicht gelesen, aber es ist stilistisch durchaus sinnvoll, ihn am Ende sprechen zu lassen.

Gerade dadurch, dass man die Familie aus der Perspektive von Mutter, Tochter und Sohn las, machte sie sehr spannend und vielfältig. Am liebsten las ich von Hadia, gerade weil ich mich mit ihr am besten identifizieren konnte. Ihre Erfahrungen in der Schule, der Druck der Erwartungen an junge Frauen und die erste (so, so tragische!) Verliebtheit. Aber auch Amars und Lailas Sicht interessierte mich. Man hatte mehr Verständnis und ein weiteres Bild auf die Geschehnisse. Zudem hat die Autorin viele Rückblenden eingebaut und springt regelrecht durch die Jahre hin und her. Das verwirrte mich am Anfang etwas, gefiel mir nach kurzer Zeit aber sehr gut. Denn mit wenigen Sätzen, Worten, Gedanken schaffte sie es mich wissen zu lassen, wo ich mich nun gerade befand.

Zu Beginn fieberte ich der Enthüllung entgegen, worum es in dem Streit zwischen Amar und seinem Vater ging. Doch schon nach wenigen Kapiteln vergaß ich, dass es eigentlich darum ging. Ich genoss es über die Familie zu lesen. Über Verliebtheit, Ehrgeiz und Tradition. Ich fühlte mich richtig wohl bei Geschichte und Schreibstil. Als sich die Situation dann zuspitzte wachte ich auf – wie aus einem Traum. Und es ist nicht immer schön, was man in der Realität vorfindet und doch sind negative Geschehnisse nicht durchweg schlecht. Mich stimmte die ganze Eskalation sehr nachdenklich und melancholisch und das Ende … gab mir dann den Rest.


Fazit:

Ein sehr ergreifendes und authentisches Buch über eine Familie, die ein gläubiges und strebsames Leben führt. Ich mochte die Rückblenden, die Art wie die Autorin den Roman aufgebaut hat. Wie menschlich die Charaktere waren und wie sehr es mich zum Nachdenken anregte. Ich mochte den Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne, den Widerspruch zwischen Liebe und Eifersucht. Das Ende war so rührend und machte das Buch endgültig zu einem Highlight für mich.


Danke an…

…den dtv Verlag für mein Rezensionsexemplar!


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