Dry von Neal und Jarrod Shusterman

Veröffentlicht: 27. August 2019 von Juliane

Dry
Neal & Jarrod Shusterman
Kristian Lutze, Pauline Kurbasik
Jugendbuch, Fantasy
Fischer Sauerländer Verlag
Mai 2019
Taschenbuch
448
Dry

Alyssa dreht den Wasserhahn auf, aber nichts passiert. Sie versucht es wieder und wieder. Doch kein Wasser fließt. Auch die Dusche geht nicht. Die Toilettenspülung. Das Wasser wurde in ihrem Bundesstaat abgestellt. Zu spät realisiert ihre Familie, dass sie handeln müssen. Sie kommen in die Geschäfte, als der Kampf um Wasserflaschen schon fast beendet ist. Sie haben kein Wasser. Stunden vergehen, aus den Medien kommen kaum Informationen. Eine Flucht in einer Stadt, die noch Wasser hat, ist unmöglich, denn die Straßen sind dicht. Feuer brechen aus. Die Menschen kehren in der Not ihre dunkelste Seite nach außen und Alyssas Familie muss auch eine Entscheidung treffen, wie sie dieses „Tap-Out“ überleben können.

Meine Meinung:

Als ich gesehen habe, dass Neal Shusterman ein neuen Roman herausgebracht hat, war ich überglücklich. Denn seine „Scythe“ Reihe gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen (bzw. als Hörbuch gehört) habe. „Dry“ hat er gemeinsam mit seinen Sohn geschrieben, ist ebenfalls für eine jugendliche Zielgruppe. Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an den Roman gegangen, denn die Meinungen, die ich über das Buch gehört habe, waren fast ausschließlich positiv. Und dann gibt’s ja meine Liebe zu Scythe. Ich mag diese coole Idee der Scythe, diese vielen Plottwists und den so logischen / geschickten Aufbau der Geschichte.

So begann ich mit „Dry“ und war auch direkt gefesselt. Dieses Szenario ist erschreckend und man darf gar nicht darüber nachdenken, wie schnell es Realität werden könnte. Die Seiten lasen sich fast von selbst und ich war fasziniert davon, worauf eine Wasserknappheit Einfluss hat. Wie schnell z.B. ein Haus stinkt, weil das Abwasser nicht abläuft. Oder wie schnell Menschen abbauen, wenn sie nichts zu trinken haben. Alyssa ist für mich die Protagonistin, aus ihrer Sicht wird der Großteil der Geschichte erzählt. Aber auch ihre Begleiter erzählen ihre Sicht der Dinge. Tatsächlich konnte ich aber nur mit Alyssa eine Verbindung aufbauen (gerade die Sicht von Henry hätten die Autoren sich sparen können).

Sehr mochte ich auch die Snapshots. In kurzen (2-3 Seiten) Berichten wird eine Situation außerhalb von Alyssas Welt berichtet. So sieht man wie eine Nachrichtensprecherin nicht die Wahrheit berichten darf. Oder wie eine Mutter versucht mit ihren Kindern in einen anderen Staat zu fliegen, aber der Flugverkehr völlig überrannt ist. Ja, ich kann sagen, dass das erste Drittel des Buches meine Erwartungen erfüllt hat. Spannung, neue Einsichten, ein guter Aufbau. Und dann wurde es langweilig. Wirklich langweilig. Alyssa und ihre Truppe waren in einem Kreis gefangen. Irgendwie passierte nichts Neues mehr, stattdessen wiederholten sich die gleichen Konflikte. Mich überraschte die Geschichte nicht mehr. Sie schockierte mich nicht einmal mehr.

Dann ging es wirklich bergab. Mein Verdacht ist, dass Neal Shusterman das erste Drittel geschrieben hat (denn da erkenne ich meinen Lieblingsautor) und den Rest sein Sohn geschrieben hat. Denn Jarrod ist Drehbuchautor. Und die letzten zwei Drittel des Romans wirkten auf mich wie ein 08/15 Film. Was dort passiert kann mit guten Schauspielern und einem guten Set als Film mit Sicherheit gut wirken. Aber als geschriebene Geschichte war es wirklich lahm. Es endete in so vielen Klischees. Wie der letzte Wasserkarton, oder diese Kommune, der Bunker im Wald.. und dann das Wasserlöschflugzeug. Ich will nicht spoilern, aber die, die das Buch gelesen haben, wissen was ich meine. Das ist für mich nicht innovativ, das ist Standard und langweilig.

Das Ende setzt der ganzen Sache noch einen drauf. Wie. Kann. Das. Bitte. So. Enden. Mal ehrlich. Hier wird ein Horror- / Worst Case Szenario gebildet und dann bekommt der Leser ein solch simple Auflösung? Nicht euer ernst. So schade! Das macht das ganze Leseerlebnis kaputt. Immerhin ließ sich das Buch flüssig lesen und es wird keinen zweiten Teil geben, denn die Geschichte ist abgeschlossen. Das Cover und die Aufmachung ist übrigens sehr gelungen, ich mag das glatte Material des Covers und die Grafik ist sehr passend zur Geschichte.


Fazit:

Von Neal Shusterman kenne ich bisher nur reines Lesevergnügen, doch gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod konnte er mich mit „Dry“ leider nicht überzeugen. Der Roman startet stark und erschreckend. Ich war zu Beginn sehr fasziniert. Die Auswirkungen von Wasserknappheit sind unglaublich weitreichend und das Szenario aus dem Buch ist schon fast zu real. Leider nahm die Spannung nach dem ersten Drittel sehr stark ab. Anstelle der erwarteten Twists gab es eine 08/15 Geschichte, die ich schon en masse in der TV- und Buchwelt gesehen habe. Sehr schade!


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1 Kommentar

  • Anna von liveyourlifewithbooks 27. August 2019 at 18:00

    Hey Juliane!
    Mir ging es mit dem Buch ganz genauso! Vor allem das Ende fand ich sehr schlimm.. das hatte so gar nichts mehr mit diesem “Endzeit”-Feeling zu tun, das ich mir von dem Buch erwartet habe.. war leider auch sehr enttäuscht.

    Liebe Grüße!
    Anna

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